Flüchtlinge in Ceuta

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Punkt eins

Migration als politisches Druckmittel

Wie koordiniert die EU ihre Migrationspolitik im Mittelmeer? Gäste: Univ. Prof. Dr. Bilgin Ayata, Universität Graz & Dr. Marcus Engler, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung, Berlin. Moderation: Philipp Blom. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Nachdem an einem einzigen Tag mehr als 70.000 Menschen die spanische, in Afrika gelegene Enklave Ceuta in einer offensichtlich koordinierten Kampagne überrannten, reagierten die Regierungen Europas zuerst panisch und unkoordiniert, bevor sich eine gemeinsame Linie fand. Nachdem der spanischen Regierung und einem spanischen Gericht zuerst schwere Vorwürfe gemacht wurden, die Massenmigration angezettelt bzw. nicht verhindert zu haben, wurde Spanien jetzt von der EU zu seinem Krisenmanagement gratuliert.

Auch wenn inzwischen fast alle Migranten wieder nach Marokko zurückgeführt worden sind, bleiben von der Ceuta-Affäre viele Fragen zurück. Nach Aussagen vieler Migranten, die vor ihrer Rückkehr befragt wurden, waren nicht nur Nachrichten auf TikTok Auslöser für die Massenbewegung, sondern die marokkanischen Behörden scheinen die Ausreisewilligen aktiv zur Flucht über das Meer ermutigt haben, eine Flucht, auf der Dutzende ertranken.

Die spanische Regierung hat sich jeder Schuldzuweisung enthalten. Internationale Expertinnen und Experten aber sind sich einig, dass dies keine spontane Massenflucht war, sondern dass hier größere politische Interessen im Spiel sind. Auch die Migrationspolitik der EU und ihre Glaubwürdigkeit in diesen Fragen wurden durch die Ereignisse beschädigt.

Bilgin Ayata forscht an der Universität Graz über Migration, Mobilität und Grenzen im Kontext einer sich zuspitzenden globalen Krise. Marcus Engler vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung beschäftigt sich besonders mit den Herausforderungen, die diese Situation an die europäische Politik stellt. Beide sprechen sie im Gespräch mit Moderator Philipp Blom über die Gründe der Ceuta-Krise und die Strukturen der Migration im Mittelmeerraum sowie die Horizonte einer transparenten, fairen und durchsetzbaren europäischen Migrationspolitik.

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