Restitutionsfall Helene von Taussig

Klimts "Litzlberg am Attersee" ist nicht das einzige Bild, das sich unrechtmäßig in einem Salzburger Museum befunden hat. Das Bild wird nun den Erben der rechtmäßigen Besitzer übergeben. Der Restitutionsfall Helene von Taussig liegt ganz anders: Das Museum will die Bilder restituieren, doch die Nachkommen der Erben sind uneins.

Nun sind die Bilder ausgestellt und zwar für zwei Wochen im Panoramamuseum in Salzburg.

Kulturjournal, 22.07.2011

So wenig kann vom Leben einer Malerin bleiben: Drei Bilder von Helene von Taussig haben sich im Privatbesitz erhalten, 19 hat das Salzburg Museum. Bekommen hat es sie vom Maler Wilhelm Kaufmann, der sie im Keller des Salzburger Künstlerhauses gefunden haben will.

Wie sie dorthin gekommen sind? Vor einigen Jahren wurde dem Kurator Nikolaus Schaffer der Vorgang erzählt, von einem Zeitzeugen, der in den 1930er Jahren als Kind beteiligt war: Dieser könne sich noch genau erinnern, dass er mit dem Leiterwagen die Bilder transportiert habe, er wisse allerdings nicht mehr, wohin. Helene von Taussig habe sich vielleicht gedacht, ihre Bilder seien im Künstlerhaus sicher.

Inspiriert vom deutschen Expressionismus

Helene von Taussig war 1879 in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren worden, in der Zwischenkriegszeit hat sie sich in Anif südlich von Salzburg niedergelassen, persönlich war sie sehr angesehen, in die bessere Gesellschaft integriert, als Künstlerin dürfte sie es schwer gehabt haben, meint Museumdirektor Erich Marx: Anif sei damals sehr dörflich, bäuerlich geprägt gewesen. "Und da malt in einem modernen Atelierhaus eine Frau noch dazu so hässliche nackte Frauen. Es war schon eine spannende Situation, in der sie sich dort bewegt hat."

Die von Marx scherzhaft "hässlich" genannten Frauen sind kantig und überlang, Bilder, die vom deutschen Expressionismus angeregt sind. Taussig war eine Malerin mit großer Lust an Experimenten und stilistischer Unabhängigkeit - wohl ein Grund dafür, dass die einzige Ausstellung zu Lebzeiten in Salzburg kein Erfolg war. Auch in Paris und Den Haag habe sie ausgestellt. In Wien hatte sie wie in Salzburg keinen Erfolg, denn "ihr Stil war so gar nicht das, was in Österreich damals Comme-il-faut war".

Erben sind uneins

Von den Nazis wurde Helene von Taussig vertrieben, das Haus arisiert, die Künstlerin selbst 1942 in einem KZ ermordet. Was mit den Bildern geschehen ist, ist unbekannt. Erhalten hat sich allerdings ein Testament, in dem die Malerin ihre beiden Nichten als Erben eingesetzt hat. Die Bilder könnten also zurückgegeben werden, doch die Nachkommen der beiden Nichten sind sich nicht einig, was mit den Bildern passieren soll.

Erst wenn feststehe, "was die Erben wollen, können wir darüber reden", so Schaffer. Erst nach der Restitution will das Museum verhandeln, ob und zu welchen Konditionen man die Bilder kaufen könnte, denn im Museum hätte man sie gern, aber nur rechtmäßig erworben.

Textfassung: Ruth Halle

service

Der Restitutionsfall Helene von Taussig, 22. Juli bis 7. August 2011, Salzburg Museum,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

Salzburg Museum