Sensible Sammlung aus der NS-Zeit

Als "sensible Sammlungen" werden Objekte bezeichnet, die durch Zwang, Schmerzen, Erpressung oder Betrug in die Depots und Ausstellungsräume von Museen gelangt sind. Das Naturhistorische Museum Wien widmet sich nun Teilen seiner sensiblen Bestände.

Anfang September 1939, nur wenige Tage nach dem Beginn des 2. Weltkriegs, werden im Wiener Praterstadion an polnischen und österreichischen Juden rassenkundliche Untersuchungen vorgenommen, so der NS-Jargon.

Dabei werden von über einem Dutzend Männer Gesichtsmasken aus Gips angefertigt - ein schmerzhaftes und entwürdigendes Unterfangen, sagt Margit Berner, Kuratorin der Sammlung der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien.

Über 400 Masken, zahlreiche Haarproben und Vermessungsbögen lagern heute in den Depots des Naturhistorischen Museums. Margit Berner hat zu den Biografien der betroffenen Männer geforscht und konnte einige von ihnen ausfindig machen - die Restitution ihrer Gesichtsmasken lehnten die betroffenen Männer ab.


Mithilfe der im Zuge des Forschungsprojekts von Margit Berner gefundenen Zeitzeugen konnte mehr Einblick in die Rolle des Naturhistorischen Museums bei der Anschaffung sensibler Bestände gewonnen werden - die Ergebnisse wurden kürzlich publiziert.