Neuer Bildband zu Österreich

Architektur der Fünfziger

Besonders hoch im Kurs steht sie nicht, die österreichische Architektur der 1950er Jahre. Dabei hat schon Friedrich Achleitner hingewiesen, dass sie "besser sei als ihr Ruf". Das bestätigt jetzt auch ein Bildband des Wiener Fotografen Stefan Oláh.

Der Künstler hat bekannte Gebäude in ein neues Licht gerückt, unbekannte architektonische Perlen entdeckt und bereits verschwundene Bauten vor dem Vergessen bewahrt.

Kulturjournal, 07.10.2011

Besonders fortschrittlich waren sie anfangs nicht, die Bauten der 1950er Jahre. Die Architekten waren, wie Friedrich Achleitner schrieb, "in ihren theoretischen Fundamenten verunsichert" und griffen auf die Bautraditionen der 1920er und 1930er Jahre zurück. Dazu kam, dass es bis zum Ende der Besatzungszeit 1955 auch noch andere Hindernisse zu überwinden galt.

Bei den Zulieferungen gab es "bemerkenswerte Importe", erzählt die Restauratorin Martina Griesser-Stermscheg. So kam Etliches aus England und Amerika statt aus Österreich, was sehr langen Lieferzeiten zur Folge hatte.

"Nachruf" auf Materialien

Griesser-Stermscheg hat dem Bildband einen erhellenden Aufsatz beigesteuert, einen Nachruf auf damals mit Vorliebe verwendete, heute aber meist verschwundene Materialien, wie etwa die besondere Verglasung, die in der Gestaltung von Tageslichtdecken wie beim Plenarsaal des Parlaments zum Tragen kam.

Über diesen Plenarsaal ist auch ein Zitat Roland Rainers überliefert, das stellvertretend für den Baustil der 1950er Jahre stehen kann: Es sei ein Saal der Arbeit, ernst und klar. "Das trifft's sehr gut", meint Griesser-Stermscheg, denn es sei keine "Angeberarchitektur".

Verschiedenste Gebäudetypen

Mit seinen Bildern wollte der Fotograf Stefan Oláh aber nicht nur die Raumwirkung einfangen, er wirft auch immer wieder einen Blick auf die Details, auf Kachelmosaike und Stiegengeländer, auf Türschnallen und Heizkörper. Und gerade was diese Ausstattungselemente betrifft, fühlte Oláh sich häufig in Agentenfilme hineinversetzt. So zum Beispiel gebe es im Plenarsaal Telefonzellen, wo man vergeblich nach einem Lichtschalter suche, erzählt Oláh. "Man geht hinein und das Licht geht an", weil der Holzboden wippe.

Südbahnhof und Gartenbaukino, ein winziger Schneidersalon in Graz und das Strandbad Gänsehäufel, das Hotel Prinz Eugen mit seiner Originalbar oder das Kraftwerk Imst: Stefan Oláh hat die verschiedensten Gebäudetypen in seinem Band versammelt. Fotografiert hat er sie alle mit einer Linhof-Technika, einer handgefertigten Analogkamera. Diese Kameras seien sehr leicht und sehr kompakt, erklärt Oláh den Grund.

Anspruch auf Vollständigkeit will Stefan Ohlás Bildband "Österreichische Architektur der Fünfziger Jahre" nicht erheben. Ihm ging es nicht um eine Katalogisierung, sondern um die Rehabilitierung einer Epoche. Und die ist ihm mit seinen detailversessenen Bildern mehr als gelungen.

Textfassung: Ruth Halle

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Stefan Oláh, "Österreichische Architektur der fünfziger Jahre", Pustet Verlag, Salzburg