Das Potenzial virtueller Welten

Videospiele, mobile Applikationen und animierte Kurzfilme: Sie alle laufen unter dem Begriff Content. Um diesen Bereich innerhalb der neuen Medien zu stärken, hat die Stadt Wien heuer bereits zum dritten Mal den mit je 5.000 Euro dotierten Content Award Vienna ausgeschrieben. Im Media Quarter Marx wurden die Preise nun verliehen.

Die Gestalter der virtuellen Welt bewiesen durchaus Realitätssinn, geht es in den prämierten Arbeiten doch um die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der österreichischen Geschichte und um die weibliche Sexualität.

Kultur aktuell, 25.11.2011

Dollfuss als Möchtegerndiktator

Der Austrofaschismus stellt ein wenig aufgearbeitetes Kapitel in der österreichischen Geschichte dar. Der Filmemacher Bernhard Swiczinsky zeichnet mit bitterschwarzem Humor Aufstieg und Fall von Engelbert Dollfuss nach und zeigt ihn als cholerischen Möchtegerndiktator. Für seine originelle Erzählweise und die zahlreichen visuellen Pointen wurde sein Film "Heldenkanzler" als bester Kurzanimationsfilm ausgezeichnet.

Fernsteuerung für Vibratoren

Gleich zwei Preise konnte die amerikanische Videospieldesignerin Heather Kelley für ihre iPhone und iPad-Applikation OhmiBod Remote mit nach Hause nehmen. Kelley hat sich in ihrer Arbeit besonders mit der weiblichen Sexualität auseinandergesetzt, die ausgezeichnete App stellt eine Fernsteuerung für Vibratoren dar und erlaubt über den Touchscreen eine besonders sensible Feinabstimmung der Wirkweise.

Ihre App hat nichts pornografisches, meint Kelley, trotzdem stößt sie damit an ein Tabu. In den USA wäre es deshalb kaum möglich für so ein Projekt Unterstützung zu finden.

Unerkannte Potenziale virtueller Welten

Umso begeisterter war Kelley, dass sie in ihrer neuen Wahlheimat Wien so einen Einstand feiern konnte und wies auch gleich auf das unerkannte Potential virtueller Welten hin. Dort wäre es möglich, Dinge auszuprobieren und diese neuen Erfahrungen anschließend in den realen Alltag zu integrieren.

Dass Computerspiele autistische Stubenhocker heranzüchten, gegen dieses Vorurteil kämpft auch das Siegerprojekt in der Kategorie Bestes Videospiel an. In "Rope" schwingt man sich von Planet zu Planet und muss dort sowohl Geschicklichkeits- als auch Denkaufgaben lösen. Das Besondere daran: Die Aufgaben müssen von den Spielern gemeinsam bewältigt werden.

Der schnellste Weg zum Klo

Zum Schluss noch zurück zu den körperlichen Bedürfnissen: Erlösung ganz anderer Art versprach das Siegerprojekt in der Kategorie Open Data. Die Handy-Applikation "Toilet Map Vienna" weist nämlich den schnellsten Weg zum nächsten öffentlichen Klo.

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