Lebenswelten in der Hauptstadt von Bangladesch

Vom Zentrum der Mogulenherrscher zur Megacity

Städte besitzen viele Schichten, in denen sich ihre Geschichte abgelagert hat. Wie Dhaka, seit 40 Jahren die Hauptstadt von Bangladesch, gewachsen und inzwischen zu einer Megacity geworden ist, lässt sich visuell sehr gut nachvollziehen.

Lange Zeit war Dhaka die kleine Schwester von Kalkutta oder Kolkata, wie es seit einigen Jahren heißt. Dhaka war die Provinzstadt, Kolkata die Metropole, in der das bengalische Kulturleben blühte, der Handel florierte und viele Jahre lang die britischen Kolonialherren ihr Hauptquartier hatten.

Die turbulente Geschichte des indischen Subkontinents trennte die Schwestern: Bei der Unabhängigkeit 1947 fiel Kolkata an Indien, Dhaka an Ost-Pakistan, das sich dann 1971 seine Freiheit als neuer Staat Bangladesch erkämpfte.

Hauptstadt seit 1971

"Mein Freund kam zu mir mit Trauer in seinen Augen. Bangladesch, Bangladesch, wo so viele so rasch sterben, nie habe ich solche Not gesehen. Wir müssen die Menschen in Bangladesch unterstützen!" Unvergessen sind die Worte, die George Harrison am 1. August 1971 beim großen Benefiz-Konzert im New Yorker Madison Square Garden sang. Viereinhalb Monate später, am 16. Dezember 1971 errang Bangladesch seine Unabhängigkeit.

Dhaka wurde damals zum ersten Mal Hauptstadt eines eigenen Staates. In ihrem Buch "Zeit der Verheißungen" - einem der wenigen Romane aus Bangladesch, die in deutscher Übersetzung vorliegen -, erzählt Tahmima Anam eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund dieses Unabhängigkeitskampfes. Sie gibt zugleich einen Einblick in das Leben im Dhaka von damals, in seine Gerüche und Geräusche und in die Atmosphäre, wenn die Sommerhitze alles erdrückte, bis dann die sehnlich erwarteten ersten Tropfen des Monsunregens fielen.

Historische Bauten in der Altstadt

Die Sommerhitze und der Monsun gehören weiterhin zu den Konstanten der Stadt, die sich in den vergangenen 40 Jahren allerdings stark verändert hat. Erhalten geblieben ist die Universität, die aus der britischen Kolonialzeit stammt und zu einem der zentralen Schauplätze des Unabhängigkeitskampfes wurde. Das Klingeln der Fahrrad-Rikschas prägt bis heute die Altstadt, die unmittelbar an den geschäftigen Hafen anschließt, von dem jeden Abend Dutzende Fähren in die südlichen Landesteile auslaufen.

In der Altstadt und dem ehemals britisch-kolonialen Viertel finden sich die meisten historischen Bauten, darunter die älteste christliche Kirche des Landes, die ein Armenier mit großem Engagement betreut, oder die alte Wohn- und Geschäftsstraße der hinduistischen Händler. Richtung Norden wechseln einander Industrieviertel, Mittelklassebezirke, noble Wohngegenden und Slums ab.

Die Bevölkerung von Dhaka hat sich seit 1971 vervielfacht und ist weiter im Steigen. Trotz Luftverschmutzung, Verkehrsproblemen und vielen anderen Widrigkeiten bietet sie den Zuwanderern aus anderen Regionen von Bangladesch die Überlebenschance, die sie in ihren Dörfern nicht mehr haben. In den Slums wohnen aber nicht immer nur die Ärmsten, auch ein Architekt hat sich dort aus freien Stücken niedergelassen.

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