Steht Ägypten vor Gewaltwelle?

Mehr als 70 Tote bei einer Schlägerei im Stadion der ägypischen Stadt Port Said - nicht nur die Sprecherin des Fußballclubs, sondern auch die Menschen auf Twitter oder Facebook meinen, dass die Ausschreitungen entweder geplant waren oder man zumindest nicht eingeschritten ist. Alles in allem großer Ärger, der sich wieder auf die Militärführung Ägyptens konzentriert.

Morgenjournal, 2.2.2012

Karim el-Gawhary aus Kairo im Gespräch mit Christian Williwald

Schläger ins Stadion gelassen?

Über die Beweggründe gibt es unterschiedliche Erklärungen: Die einen werfen der Militärführung vor, sie schüre Chaos, um dann als Ordnungsmacht aufzutreten. Die andere Theorie hat mit dem Fans des örtlichen Fußballclubs zu tun, den sogenannten Ultras, die eine wichtige Rolle im achttägigem Aufstand gegen Mubarak gespielt haben, als "schlagendes Rückgrat des Tahrir-Platzes". Viele sagen, dass das nun eine Gelegenheit war, eine offene Rechnung mit diesen Ultras zu begleichen. Denn viele der 70 Toten sind Mitglieder der Ultras. Laut Augenzeugen wurden auch die Tore des Stadions geöffnet, um die Schläger hineinzulassen und dann wieder geschlossen, um die Ultras an der Flucht zu hindern. Diese Aussagen befördern diese Verschwörungstheorien.

Kundgebung bei Heimkehr

Auch die Ankunft des Zuges in Kairo mit den Heimkehrern aus Port Said geriet schnell zu einer politischen Kundgebung. Familien und Freunde standen am Bahnsteig und warteten, wer unversehrt, verletzt oder gar nicht aus dem Zug steigt. Und dann wuirden dort Slogans gerufen wie: "Entweder wir bekommen unsere Rechte oder wir sterben", "Nieder mit der Militärherrschaft", "Exekutiert den Feldmarschall Tantawi". Das zeigt ganz klar: Die Leute geben dem Militärregime die Schuld an dem Vorfall.

Fortsetzung auf Tahrir-Platz?

Die Sache ist viel größer als das Thema Fußball. Die Frage ist, was nun auf der Straße, auf dem Tahrir-Platz passiert. Es ist eine sehr politisierte Atmosphäre. Es gab in den letzten Tagen mehrere chaotische Szenen, bewaffnete Überfälle. Sehr viele Menschen sehen das im Zusammenhang mit der politischen Situation.