Vom Fernsehen zum Buch
Das Verbrechen
Gewöhnlich werden Bestsellerromane früher oder später fürs Fernsehen oder die Kinoleinwand adaptiert. Der britische Krimiautor David Hewson ist jetzt den umgekehrten Weg gegangen. Er hat die dänische TV-Kultserie "Das Verbrechen" zu einem Roman gemacht. So wie im Fernsehen wird jetzt auch im gleichnamigen Buch die zwanzigtägige Suche nach einem grausamen Mädchenmörder geschildert.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 2.2.2013
Eigentlich ist es Kommissarin Lunds letzter Tag am Morddezernat in Kopenhagen, doch dann wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Die Spuren führen zu einer Vielzahl von Verdächtigen, darunter einem ehrgeizigen Lokalpolitiker. Über tausend Sendeminuten zog sich Lunds Jagd nach dem Mörder hin.
"Ich schaute mich Minute für Minute durch die fast zwanzig Stunden der Serie und schrieb jede einzelne Szene auf", erzählt Krimiautor David Hewson. "Danach entschied ich, welche ich brauchte und welche ich weglassen würde. Schließlich dachte ich mir noch ein anderes Ende aus. Und als ich das hatte, begann ich zu schreiben."
Kühl und geheimnisvoll
Das ursprüngliche Drehbuch stammte vom Dänen Sören Sveistrup. Eine geschickt geknüpfte Dramaturgie mit zahlreichen Schauplatzwechseln ließen den TV-Mehrteiler schnell zur Kultserie werden. Verantwortlich für den Erfolg war aber mit Sicherheit auch die kühle und geheimnisvolle Figur der Kommissarin Sarah Lund.
"Jemand in Kopenhagen meinte zu mir, ich hoffe, Sie erklären in ihrem Buch, warum Kommissarin Lund so ist, wie sie ist", sagt David Hewson. "Nein, sagte ich, das werde ich nicht tun, weil ich es einfach nicht weiß. Ich wollte keine künstliche Hintergrundgeschichte erfinden, also irgendein tragisches Ereignis, das Lund zu der Person gemacht hat, als die sie uns im Film begegnet. Lund ist einfach Lund, sie ist fast einer Walküre vergleichbar, ein gescheiterter Racheengel immer auf der Suche nach jemandem, den es zu rächen gilt."
Mehr Dialoge
David Hewson findet die passende Sprache für die unterkühlte Ästhetik der Fernsehserie. Die Sätze sind kurz und atemlos und erinnern an die amerikanische Hard-Boiled-Schule, an die Krimis eines Raymond Chandler oder eines Dashiell Hammett. Bildhaft führt Hewson durchs Geschehen. Dabei half ihm auch eine Recherchereise nach Dänemark an die Schauplätze des Romans. Viel Arbeit steckte er außerdem in die Zeichnung der Hauptfiguren.
"In der Fernsehserie gibt es wenige Dialoge", so David Hewson. "Das stört nicht weiter, weil es gute Schauspieler, Musik und großartige Bilder gibt. Ich wollte aber einen Blick in die Köpfe von Lund und den anderen Hauptfiguren werfen und das geht eben traditionellerweise über Dialoge. Ich musste die Figuren also dazu bringen, mehr miteinander zu reden."
Auf knapp 800 Seiten erzählt David Hewson in "Das Verbrechen" Kommissarin Lunds ersten Fall. Und er hat es geschafft, den pulsierenden Rhythmus und die rasanten Schnitte des Fernsehfilms aufs Papier zu bringen. Experiment gelungen, Buch lebt. Und wie.
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