Sorge um Syrien-Kämpfer aus EU

Die EU sorgt sich zunehmend um die ausländischen Kämpfer in Syrien, die aus Europa dorthin in den Krieg ziehen. Vor einem halben Jahr war noch von rund 500 die Rede, mittlerweile sollen es bis zu 2.000 sein. Zumindest einige, so rechnen Terrorexperten, könnten zur Gefahr werden, wenn sie aus dem syrischen Bürgerkrieg zurückkehren.

Morgenjournal, 25.1.2014

Aus Brüssel berichtet

EU-Innenminister: Besser abstimmen

Es ist mühsame polizeiliche Kleinarbeit, zu eruieren, wer – oft an der Seite Al-Kaida-naher Gruppen – in den syrischen Bürgerkrieg zieht. Und vor allem darauf aufzupassen, dass die Rückkehr nicht unbemerkt bleibt. 2.000 Europäer könnten sich bereits nach Syrien aufgemacht haben; einige nur, um mit der Kalaschnikow für ein Foto auf der Facebook-Seite zu posieren, mutmaßt der oberste Terrorexperte der EU, Gilles de Kerchove. Viele würden aber im Kampf ausgebildet, im Umgang mit Sprengstoff geschult, und könnten nach der Rückkehr zur Gefahr in Europa werden.

Die Innenminister der EU, die sich gestern bei einem Treffen in Athen mit dem Thema befassten, müssten sich besser miteinander abstimmen, sagt der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere: "Wir müssen versuchen, die Informationswege festzustellen. Dafür braucht man auch die Zusammenarbeit von Diensten, die in diesen Tagen ja oft beleumundet sind, was für die Sicherheit Europas ein Problem darstellt."

Rund 80 Jihadisten aus Österreich

Alarm geschlagen haben bereits Ende letzten Jahres die Innenminister von Frankreich und Belgien – Ausgangspunkt für fast die Hälfte der europäischen Jihadisten im Syrienkrieg. Das österreichische Innenministerium schätzt die Zahl der aus Österreich stammenden auf rund 80. Insider wissen, dass der Verfassungsschutz etwa zehn Heimkehrer aus Syrien unter Beobachtung hat.

Die wichtigste Reiseroute der Kämpfer führt in die Türkei und von dort über die Grenze nach Syrien. Oft ganz unbemerkt, sagt EU-Terrorbeauftragter Gilles de Kerchove, denn die meisten hätten EU-Pässe.

Innenkommissarin: Lokal ansetzen

Gegensteuern müsse man schon zu Hause, glaubt EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström: "Einige dieser Leute sind den Behörden seit Langem bekannt. Aber andere, vor allem junge, werden durch das Internet oder ihren Freundeskreis radikalisiert. Deshalb muss man auch auf der lokalen Ebene ansetzen, um sie auszuforschen."

Die Innenkommissarin fordert von den EU-Ländern Maßnahmen zur Sensibilisierung von Behörden und Sozialeinrichtungen sowie Aussteigerprogramme, um Radikalisierung frühzeitig zu bemerken und gegensteuern zu können. Terrorbeauftrageter de Kerchove will, dass schon der Anschluss an extremistische Gruppen strafbar ist.

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