Facebook verändert Mediennutzung

Studien belegen, dass vor allem junge Leute Nachrichten immer häufiger über soziale Netzwerke bekommen. Es ist eine kleine Medienrevolution, die in den zehn Jahren seit der Gründung von Facebook vor sich geht.

Mittagsjournal, 5.2.2014

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Wenn's wirklich wichtig ist, dann wird mich die Nachricht finden - ein viel zitierter Satz, der die neue Medienwelt der sozialen Netzwerke auf den Punkt bringt. "Und wenn es von keiner Seite an mich herankommt, dann ist es wohl auch nicht wichtig", sagt der Medienexperte und Bloggeraus München, Michael Praetorius.

Immer weniger Menschen suchen Nachrichten aktiv auf einer Medienwebsite, sondern klicken eher auf Artikel, die Freunde in sozialen Netzwerken empfohlen haben. Massenmedien hätten es hingegen auf Facebook schwer, sagt Heinz Wittenbrinck, Medienexperte am Joanneum in Graz. Denn nun würden Informationen von Punkt zu Punkt zum Teil verändert weitergegeben, während sie früher von einer Stelle an viele weitergegeben wurden.

Persönliche Lokalzeitung

Facebook sei so etwas wie eine persönliche Lokalzeitung, private Nachrichten mischen sich mit Meldungen von Medien die man ausgewählt hat: Dadurch unterscheide man weniger als früher zwischen offiziellen und inoffiziellen, privaten Mitteilungen. Gelesen wird, was kurz und einfach, gut illustriert oder auch lustig daher kommt.

Oberflächlicher sei der Nachrichtenkonsum deshalb aber nicht zwangsläufig, sagt Praetorius: Denn darunter seien Petitionen, Geschichten aus Katastrophengebieten, politische Umbrüche wie der arabische Frühling, "die es ohne soziale Netzwerke nicht in dieser Form gegeben hätte."

So intelligent wie die Umgebung

Auch die Art der Geschichten, die gut ankommen ändert sich: Besonders gerne geteilt werden Listen, Umfragen mit persönlichen Fragen oder interaktive Grafiken. Wie niveauvoll die Nachrichten sind, hängt von einem selber ab und mit wem man sich auf Facebook umgibt, so Wittenbrinck. Beide Experten sehen aber ein großes Problem: "Man konzentriert sich auf jene Quellen, die die eigene Meinung bestärken." Man schmort also, wie man auf Englisch sagt, in der eigenen Filter Bubble.

Für Medienkonzerne werden soziale Netwerke immer wichtiger. Zehn bis 20 Prozent der Zugriffe auf ihre Internetseiten kommen in Österreich vor allem über Facebook, schätzen die Experten, Tendenz stark steigend. Beim "Kurier" zum Beispiel hat sich die Anzahl Online-Zugriffe über Social Media im letzten Jahr verfünffacht. Ein heikles Thema für den ORF, der seit Jahren mit den Privatmedien im Streit liegt und soziale Medien noch immer nicht uneingeschränkt verwenden darf.

Einige Kritiker prophezeien Facebook ein baldiges Ende, weil viele junge Menschen die Plattform verlassen. Egal, ob und wie schnell passiert und was nachkommt, Facebook hat die Medienwelt nachhaltig verändert.

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