Eiserner Vorhang in der Staatsoper
Wien hat einen neuen Eisernen Vorhang: In der Staatsoper ist heute die neue Brandschutzwand zwischen Bühne und Zuschauerraum präsentiert worden. Gestaltet hat sie die US-amerikanischen Künstlerin Joan Jonas.
8. April 2017, 21:58
APA/HERBERT NEUBAUER
Kulturjournal, 14.11.2014
Seit 1998 wird die Brandschutzwand zwischen Bühne und Zuschauerraum der sogenannte "Eiserne Vorhang" jedes Jahr von einem anderen Künstler oder einer Künstlerin gestaltet - eine Initiative der Organisation museum in progress mit der Wiener Staatsoper und der Bundestheater-Holding. Österreichische Künstler wie Franz West, Oswald Oberhuber und Maria Lassnig haben bisher mitgewirkt, aber auch internationale Stars wie Matthew Barney, David Hockne oder Jeff Koons.
Heuer wurde die Gestaltung der 176 Quadratmeter großen Fläche von Joan Jonas vorgenommen - die 1936 in New York geborene Künstlerin wird 2015 auch die USA bei der Biennale von Venedig repräsentieren.
Österreichs meistgesehene Ausstellung
"Eiserner Vorhang" wird die Ausstellungsreihe des museum in progress genannt, die wohl als die meistgesehene Ausstellung des Landes bezeichnet werden kann. Rund 2.000 Besucherinnen und Besucher hat die Staatsoper an jedem Spielabend - und dieses Kunstwerk sieht jeder, egal ob man sich nun für zeitgenössische Kunst interessiert oder nicht. Für die geladenen Künstler und Künstlerinnen, die Motive für die 176 Quadratmeter große Fläche gestalten, ist das eine besondere Herausforderung, die das Risiko des größten Misserfolgs einer Künstlerkarriere in sich birgt. Das meint der britische Kunsthistoriker und Kurator am Kunsthistorischen Museum Jasper Sharp.
Ein Spiel mit Dimensionen
Die amerikanische Künstlerin Joan Jonas hat mit ihrem neuen Eisernen Vorhang reüssiert, befindet Sharp. Der Vorhang zeigt eine symmetrische Anordnung von brüchigen Linien in Weiß, Grün und Schwarz auf orangefarbenem Untergrund. Die weiße Linie ist zu einer endlosen Schleife geschlungen. Es ist ein sonderbares Bild, das in seiner Einfachheit rätselhaft wirkt, jedoch nicht banal. Die Form ist an keltische Bildtraditionen und Rituale angelehnt - eine Tradition, die Jonas seit Beginn ihrer Karriere fasziniert.
Jasper Sharp sieht in dem Motiv ein Spiel mit Dimensionen - das Bild funktioniere auf der riesigen Fläche ebenso gut, wie es auch die Größe einer Postkarte haben könnte. Obgleich das Bild durch den Bühnenrand eingerahmt sei, könne es auch nur ein Fragment von etwas viel Größerem darstellen, so Sharp. Darin sieht er einen Bezug zum künstlerischen Umfeld, in dem Joan Jonas sozialisiert worden ist, die abstrakten Maler der Nachkriegszeit und die künstlerische Avantgarde im New York der 1960er Jahre.
Obgleich das Bild durch den Bühnenrand eingerahmt sei, könne es auch nur ein Fragment von etwas viel größerem darstellen, so Sharp. Darin sieht er einen Bezug zum künstlerischen Umfeld, in dem Joan Jonas sozialisiert worden ist, die abstrakten Maler der Nachkriegszeit und die künstlerische Avantgarde im New York der 1960er Jahre.
Bildhauerin, die räumlich denkt
Sie habe seit den 1960er Jahren an feministischen Veranstaltungen teilgenommen, erzählt Jonas in einem älteren Interview, und sei auf der Suche gewesen, wie feministische Kunst aussehen könnte. Im damals neuen Medium Video habe sie eine Möglichkeit dafür gefunden - sie habe sich jedoch immer als Bildhauerin verstanden, die räumlich denkt. Die Schichtung von Ebenen ist auch eine künstlerische Methode, die Jonas beim Eisernen Vorhang anwendet, allerdings ohne eine Räumlichkeit der zweidimensionalen Ebene anzudeuten.
Service
Der Eiserne Vorhang in der Staatsoper ist bis zum Ende der Saison 2014/15 zu sehen.
museum in progress - Eiserner Vorhang. Kunstwerke der vorhergehenden Saisonen
Joan Jonas Venice 2015
