Nepal: Hilfe bei Erhaltung von Kulturgütern

Tausende Menschen sind bei dem verheerenden Erdbeben in Nepal im April ums Leben gekommen. Noch immer vermutet man zahlreiche Opfer unter den Trümmern. Aber auch die Zerstörungen bei antiken Kulturgütern sind beträchtlich. Eine Delegation aus Österreich war nun in Nepal, um sich über das Ausmaß der Zerstörungen zu informieren und Hilfe zu organisieren.

Mittagsjournal, 22.6.2015

Vorige Woche kam eine Delegation aus Österreich aus Nepal zurück. Sie sollte sich - im Auftrag des Außenministeriums und der Wiener Universität für angewandte Kunst - an Ort und Stelle über das Ausmaß der Zerstörungen informieren, um entsprechende Hilfe zu organisieren.

Größte Schäden in Kathmandu und Bhaktapur

Manfred Trummer, Senior-Artist der Angewandten und auf Restaurierungen spezialisiert, zieht eine ziemlich dramatische Bilanz seines Lokalaugenscheines: "Kathmandu und Bhaktapur sind am stärksten betroffen." Bhakdabur, das zu den schönsten Städten zählte, sei nicht wiederzuerkennen. In Patan sind zwei Tempel zusammengefallen und Teile des Palastes kaputtgegangen.

"Zehn bis zwanzig Jahre" für Wiederaufbau

Die gute Nachricht dabei ist allerdings, dass der Wiederaufbau technisch möglich ist. "Ich schätze, dass man für den Wiederaufbau der Kulturdenkmäler etwas zehn bis zwanzig Jahre brauchen wird. Der Aufbau der Infrastruktur im ganzen Land, Häuser für die Menschen, das wird sicher dreißig Jahre dauern", sagt Manfred Trummer.

Der Kathmandu Valley Preservation Trust

1934 gab es bereits ein starkes Erdbeben in der Region, und seitdem immer wieder kleinere Erdstöße. Seit 25 Jahren setzt sich der Kathmandu Valley Preservation Trust (KVPT) für die Erhaltung und Restaurierung der alten Tempel, Paläste und Monumente, von denen manche aus dem 12. Jahrhundert stammen ein. Auch Österreich ist dort präsent.

"Die Universität für angewandte Kunst ist seit fünf Jahren dort tätig. In den 1970er Jahren wurde ganz Nepal in den Bereichen Kultur und Tourismus von der Österreichischen Regierung stark unterstützt", erklärt Trummer. Damals wurde auch in Erdbebenschutz investiert; das habe sich, etwa in Patan, gelohnt.

Mit Monsun drohen Schlammlawinen

Die eigentlichen Arbeiten können wegen der beginnenden Regenzeit erst in etwa zwei Monaten wirklich begonnen werden. Mit dem Monsun werden aber neue Schäden erwartet. Allerdings, meint Manfred Trummer, weniger in den Kulturbezirken als in den Städten: "Schwachgebrannte Ziegel wurden mit Lehm verklebt. Durch das Wasser wird der Lehm ausgeschwemmt und wahrscheinlich wird es in einigen Städten Schlammlawinen geben", so Experte Trummer.

Finanzierung & Präsenz vor Ort

Was die Finanzierung betrifft, so haben Außen- und Kulturministerium etwa 100.000 bis 150.000 Euro zugesagt. Dazu kommen auch Mittel vom österreichischen Eurasia Pacific Uninet (EPU). Damit die Hilfsgelder nicht irgendwo versickern, ist die Präsenz an Ort und Stelle notwendig, in Zusammenarbeit eben der oben zitierten KVPT.

Nepal verfügt über ausgezeichnete Handwerker, unterstreicht Manfred Trummer, allerdings sind viele von ihnen im Ausland, etwa im Nahen Osten, tätig, wegen verbesserter Verdienstmöglichkeiten. "Von der Angewandten können wir unser Wissen über die technischen Möglichkeiten einbringen, von der Bauweise wird man die klassische Technik wählen."

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