Komponist Wolfgang Rihm im Interview

Der aus Karlsruhe stammende Wolfgang Rihm - Jahrgang 1952 - ist sowohl Komponist wie Essayist. Vor fünf Jahren hat er in Salzburg seine Oper "Dionysos" uraufgeführt, die wie "Die Eroberung von Mexico" vielfach nachgespielt worden ist - eher eine Seltenheit bei zeitgenössischen Opern. Ein Gespräch über Griechenland, das Besondere an den Salzburger Festspielen und die bevorstehende Premiere.

Wolfgang Rihm im Grünen

Wolfgang Rihm

APA/dpa/Bernhard Schmitt

Kulturjournal, 24.7.2015

Ist "Die Eroberung von Mexico" ein politisches Werk? - Wolfgang Rihm: "Selbstverständlich. Die Welt des Einen bricht in die Welt des Anderen ein. Die des Anderen ist aber keine ungestörte, sondern eine sich in Brüchen befindliche Welt - es kommen zwei Problemzonen aufeinander zu. Das kann nur ein Gewitter geben."

"Peter Konwitschny sondiert sowohl im Noten- als auch im Worttext so tief, bis er an Schichten gelangt, die im Schaffensprozess wirksam waren", zeigt sich Wolfgang Rihm "fantastisch bewegt und überrascht über die Präzision und Genauigkeit, mit der das durchgeführt wird." Jede Bewegung, die im Text angedeutet ist, auch jede Bewegung im Notentext werde ernst genommen und übersetzt, beton Rihm, der "sämtlich Hüte vor dieser Präzision der Regiearbeit" ziehen muss. Sie werde auch wunderbar durch die Arbeit von Ingo Metzmacher mit seinen Solisten und Musikern gestützt.

Über die Politik meint der Komponist, dass die heutige Situation realistisch gesehen werden muss: Bestimmte Dinge seien falsch gelaufen. Zum Beispiel habe sich Griechenland mit möglicherweise falschen Voraussetzungen in die EU begeben. Das heutige Griechenland könne aber nicht mit der Antike verglichen werden. Auch Deutschland war nicht immer die Wiege des Humanismus, sondern hat sich auch sehr weit davon entfernt. "Die jeweiligen Gegenwarten sind zwar gespeist von historischem Fond, aber nicht immer dessen direkte Umsetzung. Das Heutige ist viel weiter vernetzt und verwurzelt." Die Griechenlandkrise sei nicht nur die Schuld der Griechen, sondern auch des weltweiten Systems und der Eigendynamik, meint Rihm.

Die Teilnahme an den Salzburger Festspielen sei immer etwas Besonderes: Der Festspielgedanke wirke sich direkt auf die Sorgfalt der Vorbereitung aus; die Hingabe zur Arbeit bei den Festspielen sei mit keinem Betrieb vergleichbar.

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