Sotheby's versteigert Sammlung Taubman

In New York führen die großen Auktionshäuser in diesen Tagen ihre großen Herbstauktionen durch. Kunstwerke, die bis zu zwei Milliarden Dollar einspielen könnten, stehen zum Verkauf. Den Anfang hat gestern und vorgestern Sotheby's mit der Sammlung des ehemaligen Eigentümers Alfred Taubman gemacht.

Gemälde von Willem de Koonings, Sotheby's, New York

AP/RICHARD DREW

Eine halbe Milliarde Dollar hat Sotheby's den Taubman-Erben als Mindestertrag versprochen. Doch ob der Kunstmarkt das hergibt, scheint nach den ersten Auktionstagen ungewiss. Hohe Preise erzielen nur die ganz berühmten Stücke.

Kulturjournal, 6.11.2015

Aus New York berichtet

Der Mann mit dem Hammer gibt sich redlich Mühe; Sotheby's-Auktionator Oliver Barker scheint manchmal fast zu flehen. Ein Bild des Niederländers Willem de Kooning, geschätzt auf 25 bis 35 Millionen Dollar, bringt er schließlich um 22 Millionen unter den Hammer. Den Star des Abends, die "Paulette Jourdain" des Italieners Amedeo Modigliani, dafür oberhalb des Schätzungsrahmens - um 38 Millionen. Inklusive aller Nebenkosten sind das mehr als 42 Millionen Dollar, die ein Sammler aus Asien ausgelegt hat, und an denen der Wert des Bildes künftig gemessen werden wird.

Sammlung Alfred Taubman

In der Sammlung des ehemaligen Sotheby's-Eigners Alfred Taubman, der im April gestorben ist, befanden sich mehr als 500 Kunstwerke. Gleich nach dem Tod des 91-jährigen haben Sotheby's und der große Konkurrent Christie's begonnen, bei den Erben um die Verkaufsrechte zu rittern. 500 Millionen Dollar Verkaufswert ist das Ziel - eine Rekordjagd bestätigt Alexander Rotter, der bei Sotheby's der Abteilung für zeitgenössische Kunst vorsteht: "Es ist eine tolle Sammlung, die sich von alten ägyptischen Zeiten bis zur zeitgenössischen Kunst spezialisiert; es ist die größte Summe, die wir jemals auf einer Auktion geschätzt haben, und es wird wahrscheinlich ein Weltrekord."

420 Millionen Dollar haben die ersten beiden Auktionstage der Taubman-Sammlung eingebracht, zwei weitere mit allerdings wesentlich weniger herausragenden Werken sollen bis Ende Jänner folgen.

Sotheby's gegen Christie's

Der große Konkurrent Christie's kontert nächste Woche mit Impressionisten, mit moderner und zeitgenössischer Kunst, darunter herausragenden Bildern von Modigliani und Roy Lichtenstein. Die beiden Häuser und der kleinere Auktionator Phillips liefern sich vor allem bei den Herbst- und Frühjahrversteigerungen in New York regelmäßig harte Konkurrenzkämpfe. Sotheby's hat zuletzt wesentlich weniger Schlagzeilen mit großen Coups gemacht als Christie's. Die Verkaufsrechte an der Sammlung Taubman zu erhalten, der das Haus 30 Jahre lang kontrolliert hat, war so fast ein Muss, sagt der aus London zur Auktion angereiste Kunsthändler Adrian Biddell: "Es gab eine ganz harte Konkurrenz um diese Sammlung. Und Sotheby's hat alles daran gesetzt, um sie zu gewinnen. Das war schon allein symbolisch ganz wichtig."

Das Extreme wird zur Normalität

Am Kunstmarkt gibt es derzeit Geld. Reiche Sammler sind bereit, viel auszugeben. Wegen der niedrigen Zinsen ist Kunst für einige Investoren auch eine gefragte Anlageform. Aber im Fokus stehen die ganz großen Werke, weiß der Londoner Kunsthändler Adrian Biddell. "Nur die besten Dinge erzielen Spitzenpreise. Jeder jagt nach dem Besten. Das wird immer extremer und da wird das Extreme zur Normalität."

Eine Jagd, die die Auktionshäuser anheizen. Sotheby's hat den Herbst mit der großen Sammlung des ehemaligen Eigentümers begonnen. Christie's spekuliert mit Spitzenpreisen bei den Auktionen nächste Woche. Alfred Taubman hat es zu seiner Zeit mit dem Konkurrenzkampf nicht immer ganz so ernst genommen. Wegen Preisabsprachen mit Christie's ist er 2001 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

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