Maler Ernst Fuchs 85-jährig gestorben

Der österreichische Maler Ernst Fuchs ist Montagfrüh im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein Sohn Tillmann Fuchs bestätigte entsprechende Medienberichte gegenüber der APA. Der Künstler galt mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hutter sowie Rudolf Hausner als Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.

Ernst Fuchs

APA

Mittagsjournal, 9.11.2015

Der Malerfürst

Wie immer die Kunstgeschichte sein Oeuvre bewerten wird, eine markante und wie viele fanden originelle Erscheinung war Erst Fuchs in jedem Fall. Der Künstler pflegte sich als Malerfürst von beinahe barockem Zuschnitt zu präsentieren. Sein prophetenartiger Vollbart, das von ihm selbst gestaltete Käppi, das stets sein Haupthaar bedeckte, machten den Vater von 16 Kindern - die er mit insgesamt acht Frauen gezeugt hat - auch für Taxifahrer und Trafikanten als Künstler kenntlich. "Schau, der Fuchs", konnte man, halb ehrfürchtig, halb amüsiert dahingeraunt hören, wenn der Meister gelegentlich über den Wiener Graben in Richtung seines einstigen Stammcafé Hawelka spazierte.

Im Café Hawelka

In den 1950er Jahren, als die Wiener Schule des Phantastischen Realismus noch taufrisch war, pflegte Fuchs in diesem Café mit anderen Junggenies wie Arik Brauer, Wolfgang Hutter oder Anton Lehmden zu sitzen. Im Hawelka schwangen die Schüler von Albert Paris Gütersloh großer Reden; hier knüpften sie auch erotische Kontakte zu jungen Bewunderinnen. Tag und Nacht sei man damals im Hawelka gehockt, erinnerte sich Ernst Fuchs später. "Die großen und schönen Kaffeehäuser waren für uns nicht so anziehend, wir wollten lieber eine Höhle haben."

Einhörner, Sphinxe, Teufel und Dämonen

Ernst Fuchs, 1930 als Kind eines jüdischen Altwarenhändlers und einer katholischen Näherin in Wien geboren, war immer ein Künstler, der Widerspruch hervorgerufen hat. Er malte üppige Phantasiegemälde voller Einhörner und Sphinxen, Teufeln und Dämonen. Und während er selbst seine Arbeit als "Verlebendigung des Mythischen begriff", hielten viele Kritiker seinen farbenfrohen, ornamentreichen Stil schlicht und einfach für Kitsch.

"Dalí hatte eine verrückte Vernunft"

Fuchs selbst hat sich in erster Linie auf den Surrealismus berufen, vor allem auf sein großes Vorbild Salvador Dalí. 1950 traf er den verehrten Katalanen in Paris. "Der Dalí hatte eine verrückte Vernunft", sagte Fuchs, "er war nicht meschugge, sondern er war immer mit seinen Schlussfolgerungen äußert präzise und kam zu Schlüssen, die den anderen als absurd erschienen, die aber tatsächlich logisch waren."

Antiaufklärer, Architekt und Dichter

Ernst Fuchs hat sich als deklarierter Antiaufklärer verstanden. Von C. G. Jung und anderen Theoretikern eines modernen Mystizismus beeinflusst, wollte er die Traditionen der Gnosis und anderer esoterischer Schulen der Vergangenheit malerisch wiederbeleben. Der Kunstmarkt zumindest hat es ihm gedankt: Hier war Fuchs auf imponierende Weise erfolgreich.

Auch als Architekt und als Dichter hat sich der Verstorbene versucht. Seit seinem 14. Lebensjahr brachte er Tausende von Seiten mit vorwiegend mystisch-religiösen Texten zu Papier. Wie die Nachwelt die Bedeutung von Ernst Fuchs einmal beurteilen wird, bleibt ungewiss. Ein kontroversieller, ein Widerspruch herausfordernder Künstler war er auf jeden Fall.

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