Analog ist besser

Die Digitalisierung hat auch vor dem Kino nicht Halt gemacht und der Projektor ist in vielen Kinos nur noch nostalgisches Versatzstück. Doch gerade in Zeiten des medialen Wandels bleibt die Faszination für Bilder, die auf Zelluloid gebannt werden.

Philipp Fleischmann

Der Filmemacher Philipp Fleischmann

ORF/CHRISTINE SCHEUCHER

Die Filmrolle stirbt langsam aus, Projektoren werden zu nostalgischen Insignien einer langsam hinscheidenden Kinokultur. Zunehmend werfen Computer Bilder per Digitalprojektor auf die Leinwand. Eine Entwicklung, die längst nicht nur in den Multi- und Cineplexx-Zentren des Globus Einzug gehalten hat, sondern auch die Programmkinos betrifft. Die Vergangenheit hat bewiesen, dass ein Medium von einem neuen Medium nie ganz verdrängt wird. Das alte Medium bleibt bestehen, findet neue Nischen, in denen es sich entfaltet. Oft abseits des Mainstreams. Das gelte auch für den analogen Film, glaubt der Filmemacher Philipp Fleischmann. Er dreht mit 16mm-Film.

"Klar, es ist ein historisches Medium. Die Industrie verabschiedet sich davon. Allerdings gibt es diese Diskussion, dass der analoge Film verschwindet mittlerweile auch schon seit 20 Jahren. Totgesagte leben länger! Ich gehe davon aus, dass der Film immer relevant bleiben wird", so der Filmemacher Philipp Fleischmann.

Philipp Fleischmann hat eine spezielle Filmkamera entwickelt, die gleichzeitig als Skulptur im Raum fungiert. Meist handelt es sich um bis zu 10 Meter hohe Stäbe, die mit mehreren Öffnungen versehen werden. In diese Objekte legt Philipp Fleischmann 16mm-Filmstreifen. Die Aufnahme folgt dem Prinzip einer camera obscura. Durch eine Öffnung dringt Licht auf lichtempfindliches Material. Es entsteht ein Abbild. Bei Fleischmanns Kamera gibt es allerdings nicht nur eine Öffnung, durch die Licht dringt, sondern gleich mehrere.

Ein Objekt, das sehen kann

"Zunächst habe ich eine Kamera entwickelt, die ein Abbild erzeugen sollte. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass das Objekt, das ich entworfen habe, einen räumlich skulpturalen Aspekt hat. Die Kamera ist nicht nur ein Vehikel, sondern ein eigenständiges Objekt. Ein Objekt, das mit einem Blick versehen ist. Das sehen kann", sagt Philipp Fleischmann. Die Bilder, die dieses Objekt produziert, erinnern an den klassischen Experimentalfilm, der in Österreich mit Vertretern wie Kurt Kren, oder Peter und Friedl Kubelka eine große Tradition hat. Der fertige Film vermittelt ein diskontinuierliches Raumerlebnis. Er vermittelt in gewisser Weise den Blick des Raums auf sich selbst.

Bisher hat Philipp Fleischmann vor allem Kunsträume vermessen. Den Ausstellungsraum der Secession zum Beispiel, oder die verwaisten Räume der Generali Foundation. Seit 2014 leitet der erst 30jährige die Schule für unabhängigen Film, die von Friedl Kubelka gegründet worden ist. Bei den Studierenden, die meisten so genannte Digital Natives, bemerkt Fleischmann ein ungebrochenes Interesse am Experimentalfilm.

Der österreichische Experimentalfilm und seine Erben

"Ich bemerke unter jungen Leuten ein großes Interesse. Sie wollen Medien wie 16mm, oder Super 8 kennenlernen. Der Zugang zu diesen Medien ist ja mittlerweile ziemlich schwierig. Wir stellen uns auch die Frage, welchen Sinn es heute macht, mit diesen Medien zu arbeiten." Der junge Filmemacher Philipp Fleischmann über die Faszination für das analoge Bild. Fleischmanns Beispiel zeigt, dass die Experimentalfilmszene in Österreich nach wie vor lebendig ist.

Erste berufliche Sporen verdiente sich Fleischmann allerdings in einem weitaus weniger sperrigen Terrain: An der Seite von Christiane Hörbiger sammelte er in der Erfolgsserie "Julia – Eine ungewöhnliche Frau" Erfahrungen vor der Kamera. Aktuell ist Philipp Fleischmann in der One Work Gallery zu sehen.