Leben spielen

Zwei Wiener Off-Schauspieler im mittleren Alter und in unterschiedlichen Stadien ihres beruflichen Scheiterns und Resignierens angelangt, wollen Theater zu ihrem eigenen Wohl neu definieren und stoßen dabei auf einen riesigen unerschlossenen Markt.

Antonia Löffler

"Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält." Der österreichische Autor Jan Kossdorff ist bei weitem nicht der erste, der sich Max Frischs berühmten Satz aus "Mein Name sei Gantenbein" leihweise zu Eigen macht. In seinem neuen Roman "Leben spielen" stellt dieser prominent zugleich Vorwort und Leitmotiv.

Mit diesen Worten eröffnet der glücklose Schauspieler Sebastian seinem Freund und Kollegen Mischa seine Geschäftsidee. Gantenbeins Ankündigung "Ich probiere Geschichten an wie Kleider" bekommt bei ihm eine moderne, kommerzielle Note. Wo Frisch seine Protagonisten zu ihrem rein privaten Freud und Leid Identitäten wechseln, Leben anprobieren und wieder abstreifen lässt, geht Kossdorff einen Schritt weiter: Bei ihm wird das Lebensspiel käuflich. Seine kleine, unkonventionelle Truppe ist mit ihrer Geschäftsidee schnell erfolgreich.

Parallel zu den florierenden Aufträgen entspinnen sich vor den Augen des Lesers nach und nach die privaten Liebens- und Lebensgeschichten der Schauspieler. Jeder von ihnen, so wird schnell deutlich, spielt die Rolle seines Lebens zu Hause, hat seine Verhaltensmuster den Wünschen seines Privatpublikums angepasst – und besitzt auch die Vernunft, seine Lebensrollen als solche zu reflektieren.

Service

Jan Kossdorff, "Leben spielen", Roman, Deuticke Verlag