Anleitung für eine Revolution

2012 sorgte die russische Frauen-Punk-Band Pussy Riot mit ihrem Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau für Aufsehen. In einem Gebet bat die Band die Gottesmutter um die Erlösung Russlands von Wladimir Putin. Drei Mitglieder von Pussy Riot wurden daraufhin in Haft genommen. Vier Jahre nach dem Punk-Gebet hat eine der drei Aktivistinnen – die 26 Jährige Nadja Tolokonnikowa – nun in einem Buch ihre "Anleitung für eine Revolution" vorgelegt.

Nadja Tolokonnikowa

Nadja Tolokonnikowa

AP/J. SCOTT APPLEWHITE

Kontext, 26.02.2016

Reue und Selbstmitleid wird man bei Tolokonnikowa vergeblich suchen. Auch Klagen oder Larmoyanz sind nicht das ihre. Frech, dreist, manchmal derb und grob, dann wieder witzig bis zynisch stellt sie ihre Sicht auf Russland, sein politisches System und seine Gesellschaft dar. Die junge Frau scheint überaus belesen zu sein, sie zitiert Philosophen und Denker wie Kant, Derrida, Kristeva oder Einstein, - knapp und absolut unzweindeutig, denn es geht ihr um eine realitätsbezogene Botschaft, nicht um abstrakte Schöngeisterei.

Die Anleitung zur Revolution ist kein Handbuch, das einen geradlinigen und sicheren Weg zu einem erfolgreichen Umsturz des Systems aufzeigt. Es ist im Grunde eine eindringliche Ermutigung zum Handeln, weil nichts gelingen kann, was man gar nicht versucht. Risiken und Gefahren gehören einfach mit zum Paket.

Das Buch enthält auch einige konkrete Beispiele für die eine Million Protestaktionen, die man auf die Beine stellen kann. Schilderungen von diversen Pussy-Riot-Aktionen liefern weiteres anschauliches Material. Tolokonnikowa beschreibt auch, wie man sich am besten auf das Gefängnis vorbereitet und beruhigt potentielle Drückeberger, die sich von den geschilderten Foltermethoden abschrecken lassen könnten: Wenn man einmal im Knast gesessen ist, dann sind Kurzverhaftungen und ein paar Stunden am Polizeirevier fast wie eine Party.

Service

Nadja Tolokonnikowa, "Anleitung für eine Revolution", Hanser