Eine Zitronatzitrone

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Kulturgeschichte der Zitrusfrüchte

Zitrusfrüchte kommen ursprünglich aus Ostasien. Bereits um 310 vor Christus beschreibt Theophrast, ein Schüler Aristoteles, die Zitronatzitrone. Im jüdischen Glauben werden ebenfalls seit langem Etrog-Zitronen für das Laubhüttenfest verwendet. Fresken in Pompeji zeugen zudem von einer frühen Kultivierung.

Alle Zitrusfrüchte gehen auf drei sogenannte Urmütter zurück: die Pampelmuse, die Zitronatzitrone und die Mandarine. Die Gruppen der Orangen sind zum Beispiel aus der Kreuzung von Pampelmuse und Mandarine entstanden.

Ein Mandarinenbaum

Mandarine, eine der drei Urmütter der Zitrusfrüchte.

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"Wenn in der Frucht mehr Mandarinenanteil drin ist, dann ist es eine süße Orange und je höher der Pampelmusenanteil ist, desto bitterer ist die Orange. Dieser Stammbaum wird dann immer komplizierter. Die Zitrone zum Beispiel ist aus der Kreuzung der Bitterorange mit der Urmutter Zitronatzitrone entstanden", sagt Claudia Gröschel von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.

"Die Orange und die Bitterorange sind ganz eng miteinander verwandt", erklärt Claudia Gröschel.

In den heutigen Supermärkten findet sich im Gegensatz zur Vielfalt des Angebotes im 17. und 18. Jahrhundert nur mehr ein sehr eingeschränktes Angebot an Zirtrusfrüchten. In unsere Märkte sind meistens nur mehr Orangen, Zitronen, Limetten, Clementinen und manchmal Grapefruits zu finden. Auch die Verwendungsmöglichkeiten sind sehr beschränkt. Die Früchte werden zu Saft verarbeitet oder frisch genossen.

Ein orthodoxer Jude prüft eine Etrog-Zitronen für das Laubhüttenfest

Ein orthodoxer Jude prüft eine Etrog-Zitrone für das Laubhüttenfest. Diese Zitronatzitrone gehört zu den so genannten Urmüttern der Zitrusfrüchte.

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Zitrusfrüchte gehören zu den ältesten Obstsorten der Welt, die schon vor über 4.000 Jahren in China kultiviert wurden. Mit Alexander dem Großen kamen die ersten, allerdings nicht essbaren, bitteren Früchte, in den Mittelmeerraum. Sie wurden wegen ihrer ätherischen Öle, die als Parfüm Verwendung fanden, und wegen ihrer medizinischen Wirkung kultiviert.

Mit dem Untergang des römischen Reiches kam auch die Kultivierung der Zitrusfrüchte zum Erliegen. In der Renaissance erblühte die Zitruskultur erneut, so auch in den Gärten der Medici. König Karl XIII. soll schon damals Zitruspflanzen aus Neapel nach Frankreich gebracht haben.

"Im Garten der Villa Medici von Castello gibt es die größte Sortenvielfalt von Zitrusfrüchten in Europa. Dort gibt es sogar einen Baum, der Anfang des 18. Jahrhunderts gepflanzt wurde, der also noch den letzten Großherzog der Medici gesehen hat", erzählt Claudia Gröschel von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.

Eine gefurchte Bitterorange

Gefurchte Bitterorange

Claudia-Gröschel

Pflanzen von Bitterorangen hat es dann im Jahr 1538 am Prager Hof, 1542 auch in Wien gegeben. Die Schwierigkeit bestand in der Überwinterung der nicht winterharten Pflanzen. Anfangs wurden vorrübergehende Häuser aus Holz für die kalte Jahreszeit errichtet. Schließlich wurden Orangeriegebäude gebaut, die bis heute zahlreiche Gartenanlangen in Europa zieren.

Myrtenblättrige-Bitterorange

Myrtenblättrige-Bitterorange

Claudia Gröschl

Auch der Mythos von Herakles und dem Raub der goldenen Früchte aus dem Garten der Hesperiden wird immer wieder mit Zitrusfrüchten in Verbindung gebracht. Die Skulptur des "Herkules Farnese" spielt auf den Mythos an und zeigt Herkules mit drei Früchten in der Hand. Die römische Kopie der einst griechischen Skulptur stand lange Zeit im Palazzo Farnese in Rom und befindet sich heute im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel.

Viele barocke Herrscher identifizierten sich gerne mit der Figur des Herkules und seinen Tugenden. "Gelang es ihnen zum Beispiel, in ihren Orangerien, nicht winterharte Zitrusfrüchte zu kultivieren, so stellten sie sich damit auch als Herrscher über die Natur da", erzählt Claudia Gröschel von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.

"Er hält hinter seinem Rücken drei goldene Äpfel in der Hand. Diese Äpfel würden später ein wichtiges Symbol für die barocken Herrscher. Viele dieser Herrscher haben die Tugenden des Herkules auf sich bezogen, um sich so über die normalen Menschen zu erheben", erzählt Claudia Gröschel von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.