Jean Ziegler

Thimfilm / Dreampixies

Jean Ziegler im Kino-Porträt

"Ein Kind das durch Hunger stirbt, ist ein ermordetes Kind." Mit Sätzen wie diesem ist Jean Ziegler bekannt geworden. Der 1934 geborene Schweizer ist einer der international renommiertesten Kapitalismuskritiker und eine Leitfigur der Antiglobalisierungsbewegung. Regisseur Nicolas Wadimoff hat mit "Optimismus des Willens" ein persönliches, zugleich aber von kritischer Distanz geprägtes Porträt gestaltet.

Morgenjournal, 1.6.2017

Benno Feichter

Eine Welthungerkarte und ein Bild Che Guevaras hängen über dem Schreibtisch Jean Zieglers. Der Kampf gegen den Hunger, nach wie vor eines der zentralen Anliegen des kämpferischen 83-Jährigen, und Che Guevara einer der Helden seiner Jugend. "Che schaut mir jeden Tag über die Schulter, und schaut, ob ich meinen Verpflichtungen treu bleibe, oder nicht," so Jean Ziegler im Interview.

Anfang der 60er Jahre war Ziegler im Rahmen einer internationalen Konferenz zwölf Tage lang der Chauffeur des Revolutionärs. Eine Begegnung die in nachhaltig geprägt habe, wie er in "Optimismus des Willens" erzählt, ein Film der den UN-Sonderberichterstatter durch seinen Alltag begleitet.

Kulturjournal, 1.6.2017

Jean Ziegler im Gespräch über die Aufgabe der Intellektuellen, Populismus und eine gerechte Gesellschaft.

Zwischen diplomatischem Parkett und Straßenkampf

Er ist Autor scharfzüngiger Sachbücher, Soziologieprofessor, war Abgeordneter im Schweizer Parlament sowie UN-Sonderberichterstatter und ist derzeit Mitglied im Beratenden Ausschuss des UN-Menschenrechtsrates. Mit fast jugendlicher Energie gibt sich Ziegler nach wie vor kämpferisch. Erfahren auf dem diplomatischen Parkett, wie auf den Bühnen des Straßenkampfes - etwa bei einer Demonstration gegen den G7-Gipfel 2015.

Fast trotzig stur gibt sich Ziegler hingegen während einer Kuba Reise mit seiner Frau. Wenn er den großen Ideen der Revolution nachhängt und in einer der kontroversiellsten Szenen des Films ein Streitgespräch mit Regisseur Nicolas Wadimoff losbricht: Ziegler, der freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit relativiert - die Errungenschaften der Revolution seien wichtiger.

Glaubwürdigkeit als einzige Waffe

Nicolas Wadimoff, einst Zieglers Student, hat mit "Optimismus des Willens" ein persönliches, zugleich aber von kritischer Distanz geprägtes Porträt gestaltet, das auch die Widersprüche und Selbstzweifel thematisiert, die in Jean Zieglers Alltag sonst, wie er sagt, keinen Platz haben dürfen: "Die Glaubwürdigkeit ist die einzige Waffe, die ich als Autor und UN-Sonderberichterstatter habe. Die kann durch ein negatives Bild in einem Film zerstört werden. Aber ich habe Wadimoff vertraut und habe es nie bereut, den Film gemacht zu haben. Dieser Film kann eine Waffe im Kampf der Ideen sein."

Optimistisch trotz allem

Dass der Kampf der Ideen erfolgreich sein kann, der Aufstand des Gewissens, den Ziegler postuliert bevorsteht, daran glaubt er nach wie vor. Und er nennt zwei Gründe für seinen Optimismus: zum einen das Erstarken der Zivilgesellschaft, Stichwort Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise: "Wir müssen diesen Menschen helfen - das haben nicht irgendwelche Minister gesagt, sondern tausende österreichische Bürger, die geholfen haben. Das ist ein großes Zeichen der Hoffnung."

Der Ruf nach einer starken UNO

Zum anderen glaubt Ziegler an eine Reform der UNO, an eine Aufhebung des lähmenden Vetorechts im Sicherheitsrat, das schon 2006 der damalige Generalsekretär Kofi Annan gefordert hat. Im Hintergrund würden bereits Beratungen laufen, so Ziegler, die Zeit sei reif: "Experten beraten schon, weil der Syrien Konflikt in all seiner Grausamkeit vor Ort auch Probleme für die Veto-Mächte selbst ausgelöst hat. Dschihadisten, die auch in London oder Moskau morden, Flüchtlinge, die nach Europa drängen." Terrorismus und die Flüchtlingskrise, für Jean Ziegler zwei Folgen eines Konflikts, der längst mitten in Europa angekommen ist, und nur von der UNO gelöst werden könne.

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