Burgtheater

ORF/JOSEPH SCHIMMER

"Weltoffenes Theater" - Kusej im Interview

Der designierte Burgtheater-Direktor Marin Kusej hat Wien unmittelbar nach seiner Pressekonferenz zu Beginn des Sommers schnell wieder verlassen und bis auf eine Ausnahme im ORF-Fernsehen keine Einzelinterviews zu seinen Plänen gegeben. Ö1 traf Kusej zu einem Gespräch in München.

Morgenjournal, 22.8.2017

Gernot Zimmermann

Die Bestellung Martin Kusejs zum Burgtheater-Direktor war Ende Juni irgendwie logisch - nach dem Motto: Der beste österreichische Regisseur für das beste Theater. Kusej scheint das auch ein wenig so zu sehen. "Einen Beruf zu haben, der mir die Welt aufmacht, war immer mein Traum." Kärnten, Österreich war ihm zu klein, er wollte raus. Das habe er vor allem durch die Oper auch geschafft. Und das möchte er nun auch mit dem Schauspiel versuchen.

Martin Kusej

APA/HANS PUNZ

Martin Kusej

"Ein weltoffenes Theater"

Kusejs Anspruch ist also Welttheater, nicht österreichisches Nationaltheater oder bestes deutschsprachiges Theater. Er kann sich sogar fremdsprachige Aufführungen vorstellen. Sein Blick geht nach Slowenien, Ungarn oder Italien, wo er demnächst eine Inszenierung herausbringt. Die Richtung ist also klar: "Ein weltoffenes Theater, das in der Metropole Wien steht." Er schaue nicht nach hinten, wisse ob der großen Tradition des Burgtheaters, doch sei vieles auch nur Schein.

Neu aufgestelltes Ensemble

Dabei wird es wohl auch zu schmerzlichen Schnitten im Ensemble kommen: "Ich schütte da sicher die Hälfte oder zwei Drittel von diesem Suppentopf aus und koche eine neue Suppe auf." Martin Kusejs Engagement am Theater ist fundamental politisch-humanistisch. "Mein politisches Engagement setzt sich mit ganz grundsätzlichen Haltungen und Werten auseinander. Dafür wird auch mein Theater stehen." Dafür werde er zusammen mit den Menschen, die am Burgtheater arbeiten, klare Haltungen einnehmen.

"Grenzen schließen ist nicht beispielhaft"

Dass Kusej sich da immer wieder zu politischen Befindlichkeiten äußern wird, darf vorausgesetzt werden: "Wir machen unsere Grenzen zu, die anderen rundherum machen auch die Grenzen zu - und das ist nicht wirklich beispielhaft." Er möchte ein weltoffenes Theater machen, das an unserer Geschichte anknüpft und mit den Menschen außerhalb Österreichs in Kontakt tritt.

"Mehr Zeit gewünscht"

Kusej ist noch bis 2019 Leiter des renommierten Münchner Residenztheaters und er muss gleichzeitig Wien planen. Er hätte sich mehr Zeit gewünscht. "Wahrscheinlich hätte man ein Jahr länger gebraucht, um das seriös vorzubereiten", sagt Kusej. Die Vorbereitungen haben bereits angefangen - er gehe mit dem Burgtheater schon schwanger.

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