Flüchtlingslager Zaatari

ORF/BERNT KOSCHUH

Im Flüchtlingslager Zaatari

Mehr als sieben Jahre dauert der Krieg in Syrien nun schon an. Eine Flucht ins Ausland ist für Syrer heute kaum mehr möglich. Jordanien etwa hat seine Grenzen schon Anfang 2015 faktisch geschlossen. In dem Land mit 9,5 Millionen Einwohner/innen, leben schon 660.000 offiziell registrierte syrische Flüchtlinge und nach inoffiziellen jordanischen Schätzungen insgesamt bis zu 1,4 Millionen Syrer/innen. Rund 20 Prozent davon wohnen in Flüchtlingslagern, die allmählich zu Flüchtlingsstädten geworden sind. Bernt Koschuh konnte auf einer von der Caritas organisierten Jordanien-Reise Zaatari besuchen, eines der größten Flüchtlingslager der Welt.

Kinder klettern am Zaun des Flüchtlingslagers Zaatari

AP/MANU BRABO

Von außen wirkt das Lager Zaatari wie eine Festung, mehrfach umzäunt, die Einfahrt bewacht von einem Panzer. Aber innen wirkt Zaatari wie eine Container-Stadt. Die Einkaufsstraße heißt "Champs Elyssee". Sie ist zwar nicht so breit, aber langgezogen wie die in Paris. Ein Verkaufscontainer reiht sich an den nächsten. Von Gemüse über lebende Hühner bis zu Fahrrädern und moderner westlicher Bekleidung kann man alles kaufen. "In Zaatari haben wir 3.000 inoffizielle Geschäfte. Sie zahlen keine Steuern", sagt UNHCR-Vertreter Mohammed Al-Taher, "es sind die Geschäfte in der Champs Elysee Straße und der Saudi-Straße."

Geschäfte im Flüchtlingslager Zaatari

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"Jetzt ist es leichter"

80.000 Bewohner/innen, 22.000 Kinder, 29 Schulen, 12 Ambulanzen und ein großes Solarkraftwerk. Das sind Eckdaten. 2012 als Zeltlager eröffnet hat sich seither die Situation hier klar verbessert. In einem bunt bemalten Container besuchen wir Othman, seine Frau und seine vier teils hier geborenen Kinder. "Am Anfang war es hart. Jetzt ist es leichter", sagt Othman. Durch das Solarkraftwerk gebe es gratis Strom, weiters eine Fließwasser- und eine Abwasserleitung. Und er könne jetzt eine Arbeitserlaubnis bekommen, um außerhalb des Camps zu arbeiten.

Othman in der Containerhütte

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Allerdings hat Jordanien den Arbeitsmarkt für syrische Flüchtlinge nur eingeschränkt geöffnet, erklärt eine Koordinatorin: "In den letzten Monaten haben wir 8.600 Flüchtlingen eine Arbeitserlaubnis verschaffen können. Vor allem in der Landwirtschaft, am Bau und als Näherinnen. Nur in diesen Bereichen dürfen sie arbeiten, weil wir eine hohe Arbeitslosigkeit haben."

Bezahlen mit "Augengeld"

Der vierfache Vater Othman hat vorerst eine Gelegenheitsarbeit gefunden, bei einer Hilfsorganisation. Seine Frau Yasmine ist Friseurin. "Ich habe hier einen Kurs gemacht. Jetzt kommen die Frauen zu uns nach Hause und ich schneide ihnen die Haare", erzählt sie. Zum Leben reichen die Einnahmen nicht. Aber die Flüchtlinge bekommen pro Person und Monat rund 20 Dollar vom World Food Programm der UNO. In zwei Supermärkten können sie einkaufen - bargeldlos - erklärt Ali Al Habshi vom World Food Programm die Technologie, die Datenschützer wohl skeptisch sehen: "Wir haben die Iris-Scan-Technologie eingeführt in den Supermärkten. Wir nennen das Eye-Pay, Augengeld, man braucht keine Bank-Karten mehr, muss sich keinen Code merken, muss keine Angst haben, die Karte zu verlieren."

Augenscan

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Im Supermarkt sehen wir Iris-Scanner, wie sie auch die Grenzpolizei am Flughafen in Jordanien verwendet. Eine ältere Syrerin findet: "Es ist ein gutes System. Man kann nicht tricksen." Aber alleine mit ihrer Mutter im Lager, dicht an dicht mit so vielen Menschen, gehe es ihr nicht gut, sagt die Frau. Im Gesundheitszentrum erfahren wir, dass Atemwegsinfektionen, aber auch Depressionen häufig sind unter den Flüchtlingen.

Flüchtlingslager Zaatari

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Gefährliche Rückkehr

Die erhoffte Heimkehr nach Syrien haben im Vorjahr nur 7.000 von mehr als einer Million Syrern in Jordanien gewagt. Der vierfache Vater Othman sagt: "Es ist fast ausgeschlossen, dass ich dort Arbeit hätte und es ist unsicher. Außerdem müsste ich womöglich in die Armee einrücken, wer würde dann meine Familie unterstützen?" Die Gefahr, als Soldat zu sterben oder töten zu müssen, schreckt viele ab. Und auch wenn manche Teile Syriens derzeit als sicher gelten, rät das Weltflüchtlingshochkommissariat ab von einer Heimkehr - nicht erst seit dem jüngsten Aufflammen der Kämpfe.

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