Buchcoverausschnitt, Frau am Strand

LUCHTERHAND VERLAG

Ein Tel Aviver Amateurdetektiv im Strudel der Geschichte

Assaf Gavron zählt zu den bekanntesten israelischen Autoren seiner Generation. Im Zentrum seines neuen Romans "Achtzehn Hiebe" steht ein Taxifahrer in Tel Aviv, der in einen geheimnisvollen Kriminalfall verwickelt wird.

Eitan ist geschieden, geht abends regelmäßig zum Boxtraining und erzählt jedem, der in sein Taxi steigt, ungefragt, was es mit dem Namen seiner Straße auf sich hat. Und dann chauffiert er eines Tages eine äußerst charmante, aber rätselhafte alte Dame, die ihn für Nachforschungen engagiert.

Assaf Gavron: "Mir gefällt die Figur des Amateurdetektivs. Ich glaube ja, dass jeder einen kleinen Detektiv in sich hat, der es liebt, Rätsel zu lösen. Gleichzeitig war es mir wichtig, dass Eitan Taxifahrer ist, weil er so viel in der Stadt herumkommt, zahlreiche Leute trifft und viele Gespräche führt. Und dass die Geschichte so eigentlich zu ihm kommt."

Begin und die Prügel

Der Freund der alten Dame, ein Brite ist gestorben, und wie sie behauptet, keines natürlichen Todes. In der britischen Mandatszeit, Mitte der 1940er Jahre, war er als Soldat in Palästina stationiert gewesen. Die Lage war angespannt, denn jüdische Untergrundorganisationen kämpften für die Gründung eines selbständigen Staates Israel.

Bei seinen historischen Recherchen stößt Eitan jetzt auf ein Ereignis, dass damals die Wogen hochgehen ließ. Assaf Gavron: "Es gab einen bewaffneten Banküberfall durch die Irgun, in dessen Verlauf mehrere Menschen getötet wurden. Die erwachsenen Täter wurden von den Briten gehängt, es gab aber auch einen Minderjährigen, der zu achtzehn Hieben verurteilt wurde. Menachem Begin, den Anführer dieser Untergrundbewegung und späteren israelischen Premierminister, machte diese Prügelstrafe viel wütender als die Hinrichtung der anderen Männer. In einem Krieg, meinte er, ist es normal, dass Menschen für eine Sache sterben, aber was soll diese demütigende Bestrafung?"

Daraufhin befahl Begin, es den Briten gleichzutun und ließ mehrere britische Soldaten entführen und mit achtzehn Stockhieben bestrafen.

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Frustrierte Briten

Das war aber nicht der einzige Grund, so Schriftsteller Assaf Gavron, dass das Verhältnis zwischen Israelis und Briten, was diese Zeit betrifft, bis heute angespannt ist. Und Gavron muss es wissen, ist er doch Nachkomme aus England eingewanderter Juden, der selbst lange Jahre in London gelebt hat.

Assaf Gavron: "Was die Mandatszeit betrifft, so kommen die Briten im allgemeinen Verständnis und auch in den israelischen Schulbüchern schlecht weg. Sie haben uns kontrolliert, heißt es da etwa, und dass sie vor dem Holocaust geflüchtete Juden an der Einreise gehindert haben. Das stimmt auch: Wenn die Kontingente überschritten wurden, gab es einen rigorosen Einreisestopp. Ich glaube aber, dass die Briten sehr verärgert sind, weil die Israelis ihrer Meinung nach nicht sehen, was sie den Briten gleichzeitig alles verdanken und welche wichtige Rolle die Briten bei der Gründung Israels gespielt haben."

Wie in seinen früheren Romanen spielt Gavron auch in "Achtzehn Hiebe" mit der Genre-Literatur, setzt also gezielt die Spannungselemente des Krimis ein, ohne dabei aber oberflächlich zu werden. Und so steigt man liebend gern zu Eitan ins Taxi, nicht nur, weil man dort einiges über Tel Aviv erfährt, sondern auch, weil der sympathische Mann einen feinen, schwarzen Humor hat.

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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