Regierungsviertel St. Pölten, 1997

APA/NÖ-LANDESREGIERUNG

Regierungsviertel Sankt Pölten, Niederösterreich

1986 wurde St. Pölten per Volksbefragung zur niederösterreichischen Landeshauptstadt erkoren. Historisch war die niederösterreichische Landesregierung in Wien situiert, Landeshauptmann Siegfried Ludwig wollte jedoch eine eigene Hauptstadt haben.

Ein neuer Stadtteil für das Land

Sonja Bettel

In einer Kleinstadt wie St. Pölten ein komplett neues Regierungsviertel zu errichten, war naturgemäß eine große Herausforderung. Man entschied sich für das Gebiet an der Traisen östlich des Stadtkerns. Aus dem Architektenwettbewerb ging der Wiener Architekt Ernst Hoffmann als Sieger hervor. Für die Verwaltung entwarf er mehrere lange Zeilen von Bürobauten parallel zum Fluss.

Von der Stadt kommend geht man durch einen großen Einschnitt in einem solitären Querbau – dem "Tor zum Landhaus". Die verschiedenen Verwaltungseinheiten sind in aneinandergereihten Häusern mit je eigenem Eingang untergebracht, in der Mitte verläuft die überdachte "Passage". Ursprünglich sollte dort eine Geschäftszone entstehen, doch das ist nicht gelungen. Außerhalb der Bürozeiten ist das Regierungsviertel deshalb verwaist.

Das Landhaus mit dem Sitzungssaal liegt an der Traisen, ist zum Fluss hin geschwungen und steht zur Hälfte auf runden Stützen, die in einem künstlichen Wasserbecken stehen. Als "vertikales Merkzeichen" hat Ernst Hoffmann ins Zentrum der Bürobauten den 80 Meter hohen Klangturm gestellt.

Das große Vorhaben eines neuen Regierungsviertels sei perfekt administriert und termingerecht und im Kostenrahmen durchgeführt, schrieb der Architekturkritiker und heutige Studiendekan der TU Wien, Christian Kühn, damals im Magazin Spectrum. Die Architektur pendle jedoch unentschlossen zwischen modernistischen Figuren und postmoderner Kraftmeierei. Von mehreren Kritikern wird außerdem angemerkt, dass die Anbindung des neuen Stadtteils an die Altstadt nicht geglückt sei. Dabei, so merken die Kritiker an, hätte es innovativere Beiträge gegeben, wie jenen von Anton Schweighofer, der unter anderem "Die Stadt des Kindes" in Wien geplant hat. Der heute 87-Jährige erinnert sich, dass ihm St.Pölten vor allem als Eisenbahnknoten in Erinnerung war und er sich überlegte, dass die Bahn eigentlich das Wichtigste sei, weil sie Menschen aus dem weitläufigen Bundesland in die Hauptstadt bringe.

Anton Schweighofer entwarf deshalb ein Regierungsgebäude, das auf dem Bahnhof und der Bahntrasse aufsitzt – mit einer monumentalen Glasfront zum Vorplatz als Symbol für die Bürgernähe der Verwaltung. Sein Entwurf, so meinen viele, hätte eine echte Anbindung an die bestehende Stadt ermöglicht.

Gestaltung

  • Sonja Bettel

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