Sargfabrik

ARCHITEKTURZENTRUM WIEN, SAMMLUNG, FOTO: MARGHERITA SPILUTTINI

Sargfabrik, Wien

Ein knapp 5.000 Quadratmeter großes Areal mitten in Penzing. Ende der 1980er Jahre liegt es im Dornröschenschlaf: Ziegelhallen, Werkstätten, hohes Rauchschlot. Alles scheint still und doch tut sich im Hintergrund Einiges.

"Wohnheim" mit Mehrwert für die Stadt

Ilse Huber

Denn auf dem ehemaligen Gelände der einst größten k.u.k Sargtischlerei von Maschner & Söhne plant eine Handvoll Menschen einen Neuanfang: Die Sargfabrik soll als Kulturbetrieb, Wohnstätte samt Veranstaltungsort erwachen und zwar gemeinschaftlich organisiert. "Der Verein für integrative Lebensgestaltung" widmet sich der jungen Form des Miteinanderlebens und -wohnens. 1987 Vereinsgründung, 1989 Erwerb der Liegenschaft. 1996 Bezug des als ‚Wohnheim‘ titulierten Baus.

Alte Sargfabrik

Alte Sargfabrik

WOLFGANG ZEINER

Zwei Jahrzehnte später floriert dieses durch Selbstinitiative entstandene Projekt nach wie vor. Der Veranstaltungssaal für rund 250 Besucher ist gerade renoviert, das Badehaus ist nicht nur ein Ort der Entspannung, sondern auch der Begegnung. So kann man auch als externe Person Clubmitglied im Badehaus werden und bei Lesungen, Konzerten oder Badegenüssen teilhaben.

Badehaus

Badehaus

WOLFGANG ZEINER

Ute Fragner wohnt seit Beginn in der Goldschlagstraße 169 im 14. Wiener Gemeindebezirk. Und sie war auch Mitbegründerin des Vereins. "Wir waren verliebt in die alte Fabrik", erzählt sie, "wir haben Lagerfeuer gemacht. Es war wunderbar romantisch, aber im Inneren zu leben- da haben wir gesagt, machen wir gleich etwas Ökologisches und haben Material getauscht."

Dabei geholfen hat ihnen das Architekturkollektiv BKK-2 rund um Johnny Winter. Der 2012 verstorbene Architekt war nicht nur Planer, sondern auch Mitglied im Verein. Alle Beteiligten wollten den Genossenschaftsgedanken in der Tradition der Siedlerbewegung fortsetzen und eine andere Art des Zusammenlebens und –wirkens Realität werden lassen.


Die Vision ging auf. Nach anfänglichen behördlichen Schwierigkeiten konnte das sogenannte Wohnheim nicht nur öffentliche Fördergelder für Kulturtätigkeiten lukrieren, auch die normalerweise für KFZ-Stellplätze vorgesehenen Flächen konnten für Kinderspielplätze genutzt werden. Unter dem Titel "Wohnheim" konnte die Bauordnung umgangen werden.

Sargfabrik

WOLFGANG ZEINER

Das Interesse an dieser Form des Zusammenlebens wuchs beständig. Im Jahr 2000 kam in der benachbarten Missindorfstraße ein Ableger namens "Miss Sargfabrik" hinzu. Beide Objekte verbindet die Fassadenfarbe Orange. Doch nicht nur: beide Gebäude wurden mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet. Und sie gaben Vorbild für Baugruppen in den verschiedensten Stadterweiterungsgebieten.

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