Foto von Karl Marx, 1875

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Der rote Revenant - Teil 1

Ob man ihnen kritisch oder zustimmend gegenübersteht: Die Lehren des Karl Marx' sind auch 2018 noch von erstaunlicher Aktualität.

Karl Marx ist nicht totzukriegen, so sehr sich seine Verächter auch bemühen. "Der Kerl stirbt ununterbrochen", unkte der selbsternannte Marxianer Günther Nenning Anfang der 1990er Jahre, "und jedesmal, wenn er totgeschlagen wurde, ist er wieder da".
Das gilt auch heute. Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Karl Marx, der rote Revenant, wieder quietschlebendig. Die Spekulations-Exzesse des modernen Finanzkapitalismus und der Crash von 2007/08 haben die Lehren des Advokatensohns aus Trier auch für liberalismuskritische Intellektuelle von heute wieder attraktiv gemacht.

"Karl Marx hat erkannt, dass sich Kapital nicht als fassbarer Gegenstand, sondern nur in seiner Bewegung begreifen lässt", schreibt der Berliner Wissenschafts-Publizist Jürgen Neffe in seiner neuen, aufsehenerregenden Marx-Biografie - in vielem hätten sich die Prognosen des rauschebärtigen Großtheoretikers als stichhaltig erwiesen: "Hat Marx nicht recht behalten mit seiner Krisentheorie der periodischen Zyklen von Auf- und Abschwung? Sind seine Vorhersagen der Globalisierung und ihrer Folgen nicht in einer Weise eingetroffen, dass man sich beim Lesen der Texte mehr als 170 Jahre später die Augen reiben möchte? Und hat er nicht die totale Kommerzialisierung angekündigt, wie wir sie gar nicht mehr anders kennen?"

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