Flüchtlingssiedlung

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Syrische Flüchtlinge im Libanon

Kein Land hat - gemessen an der Gesamtzahl seiner Bevölkerung - mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. Neben vier Millionen Libanesen leben derzeit etwa 1,5 Millionen Syrer auf einer Fläche etwa so groß wie Oberösterreich.

Das heißt, etwa ein Viertel der Menschen im Libanon sind Flüchtlinge aus Syrien. Das hat zu Spannungen geführt am Wohnungsmarkt, in den Schulen, bei der Gesundheitsversorgung und insbesondere am Arbeitsmarkt.

Illegale Siedlungen

Offiziell dürfen die Syrer im Libanon nicht arbeiten, ausgenommen sind einige wenige Sektoren, wie Beispielsweise die Bauwirtschaft. Jedoch ist längst ein Schwarzmarkt für Billigarbeitskräfte entstanden. Viele Firmen haben ihre libanesischen Arbeitskräfte entlassen und stattdessen Syrer angeheuert, die die Arbeit um weniger Geld erledigen.

Die vielen wohnungssuchenden Syrer haben die Mietpreise in den Städten in die Höhe schnellen lassen. Offiziell gibt es keine Flüchtlingslager im Libanon. Das hat die Regierung verboten. Denn- so die offizielle Begründung – wenn man Lager baut, hätten die Flüchtlinge weniger Anreiz zurück zu gehen. Als Beispiel werden gerne die Palästinenser genannt, die seit 1948 in libanesischen Flüchtlingscamps leben. Und doch sieht man sie überall, wenn man durch das Land fährt: die sogenannten "inoffiziellen Zelt-Siedlungen" der syrischen Flüchtlinge.

  • Frauen stehen um Essen an

    Dreimal pro Woche liefern lokale Projektpartner der Diakonie Katastrophenhilfe gesundes, warmes Essen in verschiedene Armenviertel von Tripoli. Die Frauen kommen mit eigenen Plastikbehältern, um das Essen zu holen.

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  • Drei libanesische Frauen stehen vor ihrem Haus in der Armensiedlung und lächeln in die Kamera.

    "Damals, als es im Libanon Bürgerkrieg gab, sind wir nach Syrien geflüchtet. Die Syrer haben uns willkommen geheißen. Daher müssen wir sie jetzt auch willkommen heißen." (Mona S., Libanesin)

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  • Eine Frau mit blauem Kopftuch sitzt auf einem Stuhl. Am Schoß ein Kind, daneben steht ein kleines Mädchen und lehnt ihren Kopf an die Schulter der Frau.

    "Ich habe mich sehr bemüht, meine Kinder in einer Schule anzumelden. Aber überall wollten sie Geld. Mindestens 100 US-Dollar. Woher soll ich das Geld nehmen?" Jawaher O. ist mit ihrer Familie vor sieben Jahren aus Idlib in den Libanon geflüchtet.

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  • Eine Gruppe von Frauen mit färbigen Kopftüchern sitzt auf einer Bank in einem Gesundeitszentrum. Manche haben Kinder am Schoß.

    Im Rahmen eines Mutter-Kind-Gesundheitsprojekt der Diakonie Katastrophenhilfe lernen junge Mütter etwas über richtiges Stillen, Babypflege, Verhütung und Lebensmittelhygiene. Denn viele Krankheiten und Todesfälle von Säuglingen könnten durch bessere Hygiene und bessere Ernährung verhindert werden.

    ROBERTA RASTL

  • Porträt einer jungen Frau mit schwarzem Kopftuch.

    Aya E. engagiert sich im Gesundheitsprojekt ehrenamtlich als "Lead Mother". Sie gibt ihr Wissen an zehn andere Frauen weiter. 2012 flüchtete sie aus der Rebellenhochburg Aleppo, als diese von den Assad-Truppen bombardiert wurde.

    ROBERTA RASTL

  • Ein weiß-graues selbgebautes Haus aus Plastikplanen.

    In der trockenen Bekaa-Ebene, unweit der Grenze zu Syrien, trifft man überall auf "informelle" Zelt-Siedlungen der syrischen Flüchtlinge. Auf den weißen Plastikplanen der Zelte steht "UNHCR".

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  • Eine Frau mit grauem Kopftuch sitzt am Boden ihres Zeltes. Daneben ein Kleinkind mit Eislutscher.

    "Wenn Gott will, dürfen wir bald wieder zurück nach Syrien. Aber wir gehen erst zurück, wenn sich die Lage dort wirklich beruhigt hat." Fatmeh D. stammt aus Homs und lebt mit ihrer Familie seit mehr als drei Jahren im Zelt.

    ROBERTA RASTL

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Lost Generation

Laut UNO-Kinderhilfswerk UNICEF leben im Libanon 400.000 schulpflichtige Flüchtlingskinder, doch nur etwas mehr als die Hälfte besucht tatsächlich eine Schule. Experten warnen längst vor einer verlorenen Generation, die anfällig für jede Art von Extremismus werden könnte.

Hilfsorganisationen sind längst dazu übergegangen, bei ihren Projekten für syrische Flüchtlinge auch die Aufnahmegesellschaft zu berücksichtigen. Denn schließlich sind viele Libanesen und Libanesinnen ebenfalls von Armut betroffen. Auch österreichische Hilfsorganisationen, wie etwa die Katastrophenhilfe der Diakonie, sind im Libanon tätig.

Wohnzeile in Libanon

Im Armenviertel Hay el Tanak in der Küstenstadt Tripoli hängen noch die Wahlplakate vom Mai. Ursprünglich haben hier nur arme Libanesen gewohnt. Mittlerweile sind die Hälfte der Bewohner syrische Flüchtlinge.

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Wer spricht mit Assad?

Doch der Umgang mit den Flüchtlingen führt auch zu innenpolitischen Spannungen im Libanon, besser gesagt: deren Rückkehr. Denn schließlich war Syrien einst Besatzungsmacht im Libanon und die politischen Gruppierungen sind seither gespalten in ein pro-syrisches, pro-iranisches Lager und ein syrienfeindliches pro-westliches Lager. Während also die eine Fraktion direkt mit der syrischen Regierung verhandelt, legt sich das andere Lager quer. Denn das würde bedeuten, dieses Regime zu legitimieren.

Einig sind sich alle, dass die Flüchtlinge früher oder später zurück sollen. Immer wieder ist in letzter Zeit davon die Rede, dass Flüchtlinge auch tatsächlich aus dem Libanon zurückkehren nach Syrien. Denn Assad hat weite Teile des Landes wieder unter seine Kontrolle gebracht. Zudem drohen die Menschen ihre Häuser zu verlieren, wenn sie den Besitz ihrer Immobilien nicht vor Ort nachweisen – so dekretierte es Diktator Assad – Kritiker meinen, um Flüchtlingen die Rückkehr nach Syrien zu verunmöglichen. Dort soll jetzt der Wiederaufbau beginnen. Zurückgehen können bzw. wollen in erster Linie regimetreue Syrer. Oder zumindest solche, die keine Probleme mit dem Assad-Regime haben. Ihre Rückkehr wird derzeit großteils von der Schiitenmiliz Hisbollah organisiert, denn die pflegt beste Kontakte mit dem Assad-Regime.

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