Adelheid Popp

BILD ARCHIV AUSTRIA/ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Adelheid Popp

Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Aktivistin für eine Reform des Eherechts, die Einführung einer Karenzzeit und die Straffreistellung des Schwangerschaftsabbruchs. Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung und ab 1919 Abgeordnete zum Nationalrat.

Adelheid Popp wurde 1869 als Adelheid Dwořak in Inzersdorf bei Wien geboren. Sie starb 1939 in Wien, im Wissen, dass alles wofür sie zeitlebens gekämpft hatte, von den diktatorischen Regimen des Ständestaates und des Nationalsozialismus wieder zunichte gemacht wurde.

Ich sprach von den Leiden, von der Ausbeutung und von der geistigen Vernachlässigung der Arbeiterinnen. Auf letztere wies ich besonders hin, denn sie schien mir die Grundlage aller anderen rückständigen Eigenschaften zu sein .

Sie musste bereits im Alter von zehn Jahren aus der Schule austreten und war fortan als Dienstmädchen, Heim- und Fabrikarbeiterin berufstätig. Im Alter von 13 Jahren musste sie auf Grund schwerer berufsbedingter Krankheit ins Krankenhaus. Dort hatte sie das erstmals ein eigenes Bett, täglich warmes Essen, saubere Wäsche und Lesematerial.
Mit 17 Jahren hatte sie ihren ersten politischen Auftritt und wurde als talentierte Rednerin von den Parteigranden entdeckt.
Parallel zu ihrem 12-Stunden-Tag in der Fabrik begann ihre politisch-journalistische Tätigkeiten - obwohl sie weder Orthographie noch Grammatik beherrscht. Sprach- und Schreibunterricht erhielt sie bei Viktor Adlers Frau Emma.
Sie wurde Redakteurin der Arbeiterinnenzeitung und erhielt eine Gefängnisstrafe wegen "Herabwürdigung der Ehe und Familie".
Weiter Funktionen in ihrer politischen Laufbahn waren: Mitglied/Vorsitzende/Initiatorin zahlreicher sozialdemokratischer Frauenvereine.
Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Aktivistin für eine Reform des Eherechts, die Einführung einer Karenzzeit und die Straffreistellung des Schwangerschaftsabbruchs.
Mitglied des Parteivorstands der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.
Mitglied des Wiener Gemeinderats und Abgeordnete zum Wiener Landtag.
Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung und ab 1919 Abgeordnete zum Nationalrat.

“Wer die Frauen für sich hat, hat das heranwachsende Menschengeschlecht, hat die Zukunft für sich. … Vorwärts also mit frischem Muth, heran Ihr Geschlechtsgenossinnen alle zum gemeinsamen Werke! Nicht ruhen und rasten wollen wir, bis die Menschenbefreiung gelungen, bis ein Gesellschaftszustand herbeigeführt wird, welcher allen Menschen vollste Freiheit in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung verschafft, bis das gesamte Volk Antheil hat an Allem, was die Natur mit verschwenderischer Freigiebigkeit uns zukommen ließ, bis die heutige ‘Ordnung’ der Dinge beseitigt ist, wo Millionen hungern und einige wenige prassen.”
Arbeiterinnen-Zeitung, 17. Juni 1892, Nr. 12

Gestalterinnen: Sophie Menasse und Birgit Allesch

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