Erica Fischer auf einem Schüttbild

ORF/ORSINI-ROSENBERG ISABELLE

Erica Fischer

Sie war Gründungsmitglied, Aktivistin, Theoretikerin und wichtige Stimme der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre.


Erica Fischer wurde 1943 in St. Albans in England, als Tochter österreichischer jüdisch-sozialistischer Emigranten, geboren.

"Wir haben gelernt, dass das Private politisch ist und dass persönliche Probleme immer auch gesellschaftliche Wurzeln haben, und dass man sich für die nicht schämen muss.”

Nach Ende des zweiten Weltkriegs kehrt die Familie von Erica Fischer zurück nach Österreich. Die Tochter absolviert ein Dolmetschstudium. Erica Fischer ist Gründungsmitglied, Aktivistin, Theoretikerin und wichtige Stimme der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre. Sie ist Mitglied im Verein AUF - Aktion unabhängiger Frauen und Mitbegründerin der feministischen Zeitschrift “AUF - Eine Frauenzeitschrift” und der Buchhandlung Frauenzimmer. Erica Fischer lebt als freie Autorin, Übersetzerin und Journalistin in Berlin.

“Hinter mir lag eine Kindheit und Jugend, in der das Angebot an weiblichen Lebensentwürfen begrenzt war. … Ich war wertlos. … Die Bedingungen, unter denen ich mit einundzwanzig illegal abtreiben musste, nahm ich zur Kenntnis. Die Vergewaltigung in Warschau verdrängte ich. Die vielen anzüglichen Bemerkungen empörten mich nicht. Ich ließ sie über mich ergehen, es gehörte zum Frausein dazu. … Dann rollte die Frauenbewegung wie eine Sturzflut über mich hinweg. Mit Riesensprüngen begann ich zu begreifen. … Ich begann meinen eigenen Wert höher anzusetzen.

Mit den Männern wurde es nun noch schwieriger. Ich wollte, dass sie das, was mich umtrieb, begriffen und sich an der Diskussion beteiligten, weil es doch auch sie betraf. Ich wollte mich nicht mehr erklären müssen. … In einem Arbeitskreis zur Liebe tauschten wir uns über das Schweigen unserer Männer aus, über die Kälte, die sich in ihren Blick legte, wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen wollten. Über ihre Angst vor unseren - wohl andersartigen - Gefühlen. … Manche Männer waren bereit, von uns zu lernen, andere wurden bloß wütend. Ich ärgerte mich (und tue es immer noch), dass die wenigsten bereit waren, sich mit der anwachsenden Menge an feministischer Literatur auseinanderzusetzen. Sie argumentieren aus dem Bauch heraus, und der war durch Erziehung und Gesellschaft ähnlich verformt wie mein eigener. Doch wir Frauen lernten rasch, dachten um, stürmten voran und ließen die Männer weit hinter uns.”

Frauenkollektiv RitClique (Hg), Zündende Funken - Wiener Feministinnen der 70er Jahre, Erhard Löcker GesmbH, Wien 2018, S. 124f.

Gestalterinnen: Sophie Menasse und Birgit Allesch

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