Eine Illustration von Gördü Begum

ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Begüm Gördü

Sie ist Aktivistin für Frauen- und Minderheitenrechte im Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft und Mitorganisatorin der #MuslimBan Austria-Demonstration im Februar 2017.

Begüm Gördü wurde 1990 in Wien geboren und studiert Pharmazie und Politikwissenschaften an der Universität Wien.

“Die Emanzipation in Europa gilt noch nicht für alle Frauen. Muslimische Frauen erleben im Alltag sehr viel Diskriminierung. Und diese Diskriminierung ist sexistisch und rassistisch gleichzeitig.”

Begüm Gördü hat die #MuslimBan Austria-Demonstration mitorganisiert. Die Demonstration fand im Februar 2017 in Wien statt und richtete sich unter dem Motto "Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ gegen ein von der Regierung beschlossenes Integrationspaket. Die Demonstration beschreibt Begüm Gördü als wichtigen Moment für ihre eigene Politisierung. Seitdem ist sie im Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft (NMZ) aktiv und engagiert sich dort besonders für Themen, die mit dem Empowerment von Frauen und Minderheitenrechten zu tun haben. Sie hat unter anderem Beiträge für den aliter-Blog und die neue Linkswende verfasst.

“Aus meiner Sicht ist Gleichberechtigung sehr wohl mit dem Islam zu vereinbaren. Jeder Mensch ist vor Gott gleich. Das ist ein Grundprinzip im Islam. Das heißt, man kann gar nicht von einer Nicht-Gleichberechtigung sprechen. Für mich ist das sonnenklar gewesen, immer schon.”

“Gesetze jeder Art, ganz gleich ob die Begründung auf säkularer oder religiöser Basis beruht, die Frauen Kleidungsvorschriften diktieren sind ein Indikator für Rückständigkeit, für eine autoritäre Staatsform und für Sexismus, der in diesem Fall auch noch rassistisch motiviert ist, da dieses Gesetz ausschließlich Frauen einer bestimmten religiösen Minderheit betrifft. Das Burkaverbot, das Kopftuchverbot in Kindergärten, etc. werden von Seiten der 'europäischen Beschützer', der 'Erlöser' als ein Akt der Befreiung zelebriert. In Wahrheit drängt es muslimische Frauen an den Rand der Gesellschaft und versperrt ihnen den Weg zur Bildung und damit auch den Weg zum Arbeitsmarkt wodurch Frauen erst recht (finanziell und emotional) abhängig gemacht werden. Ist das der Weg, Frauen zu befreien? Sie bevormunden und ihnen Kleidungsvorschriften machen? Ihnen das Recht auf Bildung nehmen?”

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