Szenenfoto: Andrea Wenzl und Sven-Eric Bechtolf während einer Probe von "Die Ratten"

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"Die Ratten" - Andrea Breths Abschied vom Burgtheater

Gerhard Hauptmanns "Die Ratten" aus dem Jahr 1911, einst ein vielgespieltes Bühnenstück, ist ans Wiener Burgtheater zurückgekehrt. Die Inszenierung von Andrea Breth wird gleichzeitig ihr - nicht ganz freiwilliger - Abschied von der Burg.

Die international gefeierte Theater- und Opernregisseurin hat das Stück bis in die kleinste Rolle mit einem hochkarätigen Ensemble besetzt, darunter Nicholas Ofczarek und Andrea Wenzl.

"Es ist ein Rattenkosmos"

Zu Beginn des Abends bewegt sich die Drehbühne rasant, das zahlreiche Personal des düsteren Stücks rennt irrwitzig schnell durch Räume, die durch schmutzige Scheiben getrennt sind. Dahinter schluchzt Pauline, die ein Kind erwartet.

Das Bühnenbild von Martin Zehetgruber wartet auch mit überlebensgroßen Rattenskulpturen auf, denn so Andrea Breth, die Regisseurin: "Man sollte zwar keinen der Menschen in dem Stück denunzieren, sie haben alle aber auch einen Rattenanteil, aber eben auch etwas Verwundetes." So wie Frau John, gespielt von Johanna Wokalek, die Pauline, dargestellt von Sarah Victoria Frick, ihr ungeborenes Kind abluchst und es als eigenes ausgibt. Später wird es Pauline zurückwollen und das Stück zum Kriminalfall.

Szenenfoto

Christoph Luser, Bernd Birkhahn, Stefan Hunstein,Sarah Viktoria Frick, Sven-Eric Bechtolf, Elisabeth Augustin, Marie-Luise Stockinger während einer Probe von "Die Ratten" im Burgtheater in Wien. Das Stück hat am 27. März 2019 Premiere.

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Alle sind Verlierer

Bis ins kleineste Detail durchleuchtet Andrea Breth die Charaktere, etwa den Theaterdirektor Hassenreuther, den Sven Erich Bechtolf pompös und doch gebrochen anlegt. Hauptmanns "Ratten" sind auch ein Stück über das Theater. Ein Stück, das mit Fortschreiten der Inszenierung immer langsamer wird, als würde die Tragödie das rasante Tempo des Beginns bremsen und zum Schluss die Zeit anhalten.

Bitterer Abschied

Andrea Breth nimmt Abschied vom Burgtheater, wo sie viele Theaterbeiten schuf, die sich ins Gedächtnis prägten. Martin Kusej kommt als neuer Burgtheaterdirektor und er hat ihr offenbar mitgeteilt, keine Verwendung mehr für sie zu haben.

Andrea Breth in einer Loge des Wiener Burgtheaters

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Wenn ein neuer Direktor komme, sei dieser Vorgang normal. Sie habe dafür Verständnis, aber es komme darauf an, wie man das mache."Und dieses Wie war nicht so besonders erfüllt von Anstand." Aber, Andrea Breth ist ohnehin bis 2022 ausgebucht.

Gratulation an den neuen Iffland-Ring-Inhaber

Bei den Salzburger Festspielen brachte sie Dostojewski "Verbrechen und Strafe" mit einem unvergesslichen Jens Harzer als Raskolnikoff heraus. Bruno Ganz vermachte ihm den Iffland-Ring, wie am vergangenen Freitag bekannt wurde. Breth wusste das schon lange von Bruno Ganz war aber verpflichtet "nicht zu plappern".

Durch die intensive Probenarbeit bis zuletzt sei sie noch nicht dazugekommen, Harzer zu gratulieren. Und das tue sie hiermit in Ö1 öffentlich. "Und das ist vielleicht noch schöner!"

Vielleicht gibt es ja doch wieder einmal eine Aufführung von Andrea Breth mit Jens Harzer in Österreich. Das darf man sich wenigstens wünschen.

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