Probenfoto aus dem Großen Festspielhaus mit Klaus Florian Vogt

OFS/MONIKA RITTERSHAUS

"Verachtet mir die Meister nicht!"

"Die Meistersinger" bei den Osterfestspielen Salzburg.

Auf dem Programm der heurigen Osterfestspiele steht mit Richard Wagners "Die Meistersinger" von Nürnberg eine Oper, die wie kaum eine andere polarisiert, die Gemüter erhitzt und die Operngemeinde in zwei Lager teilt. Dieses Spätwerk Wagners aufzuführen, wird von vielen kritischen Stimmen als politisches Statement empfunden.

Deutschtümelei als Komödie?

Da ist von Deutschtümelei die Rede, und von Judenfeindlichkeit. Sehr umstritten ist bis heute die Figur des Stadtschreibers Sixtus Beckmesser. Im pedantischen Kritiker und obersten Hüter des strengen Regelwerks der "Meistersinger", der am Schluss der Oper, lächerlich gemacht, seinem verhassten Konkurrenten Stolzing das Feld räumen muss, wird eine antisemitische Karikatur vermutet. Überdies sind "Die Meistersinger" als Lieblingsoper von Adolf Hitler schwer belastet. Dieser schätzte aber auch "Lohengrin" und "Rienzi" über alles.

Auf der anderen Seite gibt es mit Hans Sachs in Wagners Oper eine Figur, die den Spagat zwischen Achtung der Tradition ("Verachtet mir die Meister nicht, und ehrt mir ihre Kunst") und Mut zu Neuem und Infragestellung der Konvention ("Der Regel Güte daraus man erwägt, daß sie auch mal ’ne Ausnahm verträgt") versucht. Auch Neid und Konkurrenz sind für Hans Sachs nicht zu unterschätzen, wenn er feststellt: "(…) denn wer als Meister geboren, der hat unter Meistern den schlimmsten Stand". Auf der einen Seite stehen Butzenscheibenromantik und Fliederduft, auf der anderen Seite ist die Oper gespickt mit zweideutigen Wortspielen, subtilen Andeutungen und intellektuell verbrämtem Humor.

Auf die Regie von Jens-Daniel Herzog darf man ebenso gespannt sein wie auf die musikalische Leitung von Christian Thielemann. Er wird seine Lieblingsoper dirigieren, gleichsam sein Geburtstagsgeschenk an sich - er wird im April 60. Die Besetzung ist hochkarätig: In den Hauptrollen zu hören und zu sehen sind Georg Zeppenfeld als Hans Sachs, Sebastian Kohlhepp als sein Lehrbube David, Vitalij Kowaljow als Veit Pogner, dessen Tochter Eva wird gesungen von der jungen Sopranistin Jacquelyn Wagner, Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing und Adrian Eröd ist sein Konkurrent Sixtus Beckmesser. Ö1 sendet die Premiere zeitversetzt am 13. April um 19:30 Uhr.

Staatskapelle Dresden und Mariss Jansons

Am Karsamstag steht Antonin Dvoraks "Stabat Mater" in "Apropos Klassik" auf dem Programm; die Sächsische Staatskapelle Dresden und der Chor des Bayerischen Rundfunks zusammen mit einem erlesenen Solistenquartett werden dirigiert von Christoph Eschenbach. Zwei Tage später, am 22. April, sendet Ö1 Joseph Haydns Symphonie G-Dur Hob. I: 100 und Gustav Mahlers Symphonie Nr. 4 G-Dur mit der Sopranistin Regula Mühlemann. Am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden steht Mariss Jansons.

Ode to Napoleon Buonaparte

Auf dem Programm eines Kammerkonzerts mit Mitgliedern des Dresdner Oktetts stehen das Septett op. 20 des Jahresregenten 2020, Ludwig van Beethoven, Schuberts Quartettsatz D 703 und Arnold Schönbergs "Ode to Napoleon Buonaparte". Letzteres ist ein Melodram für Streichquartett, Klavier und Sprecher. Tobias Moretti fungiert als Sprecher, am Klavier sitzt Michael Schöch. Schönberg schrieb das Werk 1942 und verwendete einen Text von Lord Byron, in dem der englische Dichter mit seinem ehemals großen Idol Napoleon abrechnet. Schönberg selbst hat seine Komposition als "unbestreitbar politisch" bezeichnet und den Text Byrons bearbeitet. In Ö1 senden wir das Konzert am 25. April um 19:30 Uhr.

Es bedarf nicht viel Fantasie, in Napoleon die Schlüsselfigur zu Hitler zu erkennen, wenn es heißt: "Ist das der Herr von tausend Reichen, / der alle Welt besät mit Leichen? / Und mag er’s überleben? / Wie fiel der stolze Morgenstern! / Kein Geist noch fiel so tief, so fern."

Gestaltung

  • Gertrude Mittermeyer