Anna Netrebko als Aida und Anita Rachvelishvili als Amneris

MET OPERA/MARTY SOHL

Das Museum lebt! - "Aida" aus der Met

1869 erreichte den nach "Don Carlos" demotiviert nach Italien zurückgekehrten, dafür nach zwei Jahrzehnten Pause mit der neu gefassten "Macht des Schicksals" wieder an der Mailänder Scala erfolgreichen Giuseppe Verdi ein Offert aus Kairo.

Zur Eröffnung sowohl des Suezkanals als auch des Kairoer Opernhauses eine Hymne zu verfassen. Verdi beschied, Gelegenheitsstücke, "morceaux de circonstance", seien seine Sache nicht, lehnte also ab. Kairo bekam zu den Feierlichkeiten, immer noch 1869, trotzdem "seinen" Verdi: eine Premiere des guten alten "Rigoletto".

Spektakuläres Werk für Kairo

Doch es ging weiter. Bald darauf wurde Giuseppe Verdi ein Szenario in die Hände gespielt, das der angesehene französische Archäologe Francois Auguste Ferdinand Mariette verfasst hatte - dies auf ausdrücklichen Wunsch des ägyptischen Khediven Ismail Pascha. Unbedingt wollte man zu einem neuen, spektakulären Werk für Kairo kommen - von Verdi. Mariette brieflich: "Erschrecken Sie nicht über den Titel. Aida ist ein ägyptischer Name. Eigentlich müsste es A-ita heißen. Doch dieser Name wäre zu hart und die Sänger würden es unweigerlich zu Aida machen."


Auch Camille du Locle wurde eingespannt, der am "Don Carlos"-Text mitgearbeitet und anderes von Verdi ins Französische übersetzt hatte - im Raum stand schnell die Drohung, bei weiterer Unwilligkeit des Italieners entweder Charles Gounod oder Richard Wagner anzusprechen. Alle Beteiligten, und noch mehr Verdis Verleger, waren erstaunt, dass der Komponist den Plan nun ohne weiteres Zaudern zu dem seinen machte. Giuseppina Strepponi übertrug rasch Mariettes Text ins Italienische, als Librettist wurde Antonio Ghislanzoni ins Boot geholt, der sich soeben mit "La forza del destino" ausgezeichnet hatte, die von Verdi an Kairo gestellten Bedingungen - so Überlassung der Aufführungsrechte für außerhalb Ägyptens - waren nicht überzogen.

  • Quinn Kelsey als Amonasro und Anna Netrebko als Aida.

    Quinn Kelsey als Amonasro und Anna Netrebko als Aida.

    MET OPERA/MARTY SOHL

  • Anita Rachvelishvili als Amneris

    Anita Rachvelishvili als Amneris

    MET OPERA/MARTY SOHL

  • Aleksandrs Antonenko als Radamès und Anita Rachvelishvili als Amneris

    Aleksandrs Antonenko als Radamès und Anita Rachvelishvili als Amneris

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  • Anna Netrebko als Aida, Quinn Kelsey als Amonasro, und als Dmitry Belosselskiy als Ramfis.

    Anna Netrebko als Aida, Quinn Kelsey als Amonasro, und als Dmitry Belosselskiy als Ramfis.

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  • Szene aus dem 2. Akt

    Szene aus dem 2. Akt

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Historische Treue

Das spätere Jahr 1870 ist in Sant’Agata, Verdis italienischem Landsitz, angefüllt mit gemeinschaftlicher Arbeit von Ghislanzoni und Verdi, der sich zugleich in die unterschiedlichste wissenschaftliche Literatur zum alten Griechenland einlas - diese "museale" Herangehensweise hatte er von seiner Berührung mit der Grand Opéra mitgenommen: jedes Detail nicht nur im Text, sondern auch in den Szenenanweisungen und in der Gestaltung von Kulissen und Kostümen sollte frappieren durch historische Treue: neu die Musik, historische getreu das Bild.

Romanze dank Verzögerung

Nur schlüssig, dass, ehe in Paris die Werkstätten an die Vorbereitung gingen, wiederum Mariette eingebunden wurde. "Aida" als Großunternehmen, und Teamwork. Schon streuten italienische Theaterzeitungen Ankündigungen der kommenden Kairoer Premiere aus, samt dem Aviso einer nachfolgenden Neuproduktion auch am Teatro alla Scala in Mailand, als durch den Deutsch-Französischen Krieg der Austausch zwischen Paris und Kairo zum Stocken kam. Verdi und Ghislanzoni, die bis dahin den vereinbarten Abgabetermin für die Partitur verzweifelt fest im Auge hatten, waren erleichtert … Dieser willkommenen Verzögerung verdanken wir unter anderem die Romanze der Aida im dritten Akt der Oper, die davor nicht vorgesehen gewesen war und jetzt bereits der Sopranistin Teresa Stolz angemessen wurde - der Erstaufführungssängerin der Partie am Teatro alla Scala.

Kairoer Uraufführung

Der Deutsch-Französische Krieg endete offiziell im Mai 1871, ab diesem Zeitpunkt konnte wieder an die Überstellung der Ausstattung aus Paris nach Kairo gedacht werden - just am 24. Dezember desselben Jahres fand dort dann die Uraufführung statt. Der Komponist selbst reiste nicht persönlich an, ließ sich genau Bericht erstatten, war höchst unzufrieden darüber, dass nur geladene Gäste im Theater waren, kein "normales" Publikum, und nahm für sich daher die Premiere in Mailand, Anfang Februar 1872, als die eigentliche "prima". Hier war er auch regielich aufs stärkste involviert. Weitere Erstaufführungsdaten belegen, dass sofort danach "Aida" in Italien, Europa, den beiden Amerikas ihren Siegeszug angetreten hat. Wer Oper mag, kennt "Aida" - wer "Aida" kennt, weiß, was Oper ist.

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Metropolitan Opera - Aida

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