Sophie Utikal

MAGDALENA FISCHER

Sophie Utikal, bildende Kunst

Sophie Utikal, geboren 1987 in Florida, studiert Kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie ist außerdem ausgebildete Körpertherapeutin. In ihrer Praxis setzt sie sich mit Körper, Migrationserfahrung, Mehrfachzugehörigkeit und den dabei entstehenden Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten auseinander.

Was ist Kunst?

Ausdruck der Herrschaftsverhältnisse.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Wie ich zur Schule gegangen bin, war Kunst das einzige Schulfach bei dem es keine Prüfungen gab. Es gab kein richtig oder falsch. Wir konnten uns unterhalten, essen, Musik hören. Also als ganze Person so sein, wir waren ohne Leistungsdruck und Disziplinierung. Diese Erfahrung sowie auch später eine Freundin, die Kunst studiert hat, hat mich zur Kunst gebracht. Und natürlich auch, dass ich das Geld für ein Kunststudium hatte.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Wollen muss man auch erstmal können. Kunst kommt von denen, die es sich leisten können Kunst zu machen, und von ihren Netzwerken.

Wo würden Sie am liebsten ausstellen?

Für mich ist es viel wichtiger nach dem WIE zu fragen: In einem Raum, bei der die Umverteilung von Ressourcen zentral ist. Nicht nur inhaltlich sondern auch strukturell und personell. In einem Raum, der voll ausfinanziert ist, der Themen behandelt, die zugänglich für alle sind. Bei der die reproduktive Arbeit genauso relevant ist wie die produktive Arbeit.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit den Leuten, die sich in meinem Umfeld für ein solidarisches Kunstmachen einsetzen. Wie z.B. Imayna Caceres, Sunanda Mesquita, Franziska Kabisch, Magdalena Fischer, Sattva Giacosa, Verena Melgarejo Weinandt, Mwoyo Dziruni, Belinda Kazeem-Kamiński, Cana Bilir-Meier, Malu Blume, Aline Benecke, Ebru Düzgün, Daniela Ortiz, Pêdra Costa, Stephanie Misa, Ezgi Erol, Ruby Sircar, Mzamo Nondlwana und viele mehr.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Im neoliberalen Kapitalismus gibt es kein Außen. Diese Frage ist so ähnlich wie „Wie viel Luft verträgt die Lunge?“

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Und wie viel Lunge verträgt die Luft? Ein Markt, der auf Ausbeutung anderer basiert, muss sabotiert werden. Wenn wir mit unserer Kunst jedoch selbst ein Teil davon sind, sind wir auch Teil vom Problem. Diesen Widerspruch gilt es zu thematisieren.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

In unserer Welt wahrscheinlich für Steuern.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Am Abgrund der Klimakatastrophe. Angesichts der Unbeweglichkeit der aktuellen Politik bin ich hoffnungslos.

Haben Sie einen Plan B?

Ich mache gerade eine Ausbildung zur Körpertherapeutin nach der Grinberg Methode. Ich wollte ein Handwerk lernen, um Menschen zu unterstützen, ein emanzipiertes und selbstbestimmtes Leben in ihren Körpern zu führen.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Jedes mal, wenn ich mich nicht den Werten und Normen der Mächtigen unterworfen habe. Das würde ich gerne noch sehr viel öfter machen.

Wollen Sie die Welt verändern?

Ich will das Leben von einzelnen Personen verändern. Da wir jedoch alle miteinander verbunden sind, verändere ich natürlich auch im Plural. Ich möchte insbesondere die erreichen, die von der Unterdrückung und Marginalisierung des patriarchalen und rassistischen Systems betroffen sind. Denen will ich Mut machen.

Service

Ö1 Talentebörse - Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
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