Brut im Künstlerhaus

BRUT-WIEN.AT/CHRISTINE MIESS

Verliert das brut sein Stammhaus?

Am Mittwoch sorgte eine APA-Meldung für Aufsehen, wonach das Wiener Koproduktionshaus brut nach der Renovierung des Künstlerhauses womöglich nicht mehr in sein Stammhaus zurückkehren könnte. Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, hatte am Rande eine Baustellenbegehung angemerkt, er könne sich vorstellen, in den ehemaligen Theaterräumlichkeiten eine Dauerausstellung einzurichten.

Schröder wird ja nach der Sanierung durch die Haselsteiner Privatstiftung mit seiner "Albertina modern" ins Künstlerhaus einziehen. Die Eröffnung ist für März nächsten Jahres geplant. Das brut zeigte sich von den Aussagen überrascht.

Kulturjournal | 19 09 2019

Katharina Menhofer

"Normale Begehrlichkeiten"

Natürlich würde Klaus Albrecht Schröder gerne das ganze Haus bespielen, das seien ganz normale Begehrlichkeiten, gibt man sich im brut gelassen. Einzig über den Zeitpunkt der Aussage ist man empört, so die künstlerische Leiterin Kira Kirsch: "Es gibt natürlich Wunschgedanken, die weiße Männer in bestimmten Positionen sehr gerne sehr laut äußern. Es gibt für mich dafür jetzt keine Grundlage, dass er in der Position ist, das so der Öffentlichkeit mitzuteilen."

Das sei zu früh. Denn im brut selber ist man derzeit am Abwägen, ob eine Rückkehr ins Haus überhaupt sinnvoll ist. Denn die Kosten der geplanten Sanierungsmaßnahmen von zwei Millionen Euro, von denen mehr als die Hälfte das brut selbst tragen müsste, seien explodiert, so der Geschäftsführer des brut, Richard Schweitzer: "Die jetzigen Kosten belaufen sich auf mehr als das Doppelte."

Freie Entfaltung möglich?

Abgesehen davon sei auch noch nicht klar, wie das Zusammenspiel der einzelnen Nutzer funktionieren werde. Denn im Künstlerhaus müssen künftig nicht nur drei, sondern vier Nachbarn miteinander auskommen: die Vereinigung der bildenden Künstler, das Stadtkino, die Albertina modern und das brut. Und ob man sich so frei entfalten könne, wie bisher - vom lauten Probenbetrieb angefangen über die Fassadengestaltung bis hin zur Nutzung des Vorplatzes -, das sei fraglich.

Die Albertina sitze da freilich am längeren Ast, so Schweitzer. "Die Albertina Geschäftsführerin (Renate Landstetter, Anm.) ist auch gleichzeitig Geschäftsführerin der Künstlerhaus Betriebsgesellschaft - wenn der Hausherr im Haus wohnt, sind die Partys schwieriger."

"Die freie Szene braucht ein Haus"
Kira Kirsch

Das brut selbst überbrückt die Umbauphase jetzt ist schon in der dritten Spielzeit mit seiner kleinen zweiten Spielstätte, dem brut-studio in der Zieglergasse, und bespielt mobil andere Räumlichkeiten und Theaterhäuser in ganz Wien - wie das Kosmostheater, das Odeon, oder die Halle E. Das funktioniere gut, sei aber keine Dauerlösung, sagt Kira Kirsch.

"Ein Standort festigt eine Institution"

"Auf Dauer braucht brut auf jeden Fall ein Haus. Die freie Szene braucht ein Haus - um die Räumlichkeiten zu kennen, in denen man produzieren kann, um Räume zu haben, über die man selber verfügen kann, um Gäste einzuladen, die internationale Projekte zeigen können. Ein Raum ermöglicht Dinge und ein Standort festigt auch eine Institution."

Welches Haus das sein könnte, ist unklar, man sei aber auf der Suche, so Richard Schweitzer. Die kommende Spielzeit, die am 5. Oktober mit einer Tanzperformance in der Seestadt beginnt, wird auf alle Fälle noch eine mobile sein.

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