Eine Familie steht vor einem Greenscreen und hinter einem Bildschirm der sie scheinbar auf einer Brücke im Dschungel stehen lässt

ORF/PAUL BAUER

"Special Effects" im Technischen Museum

Die Spezialeffekte im Film sind beinahe so alt wie das Kino selbst. Welche revolutionären Neuerungen es da gegeben hat und wie Spezialeffekte in der Praxis funktionieren, das zeigt jetzt eine Ausstellung im Technischen Museum Wien.

Morgenjournal | 18 10 2019

Wolfgang Popp

Rotes Sensorlicht flackert über Arme, Beine und Rumpf, nimmt die kleinsten Bewegungen ab und überträgt sie auf die Flügel und Beine eines Drachen. Wir befinden uns in der Motion-Capture-Station, erklärt die französische Kuratorin Sophie Lecuyer von der Cité des sciences et de l'industrie, dem Pariser Wissenschafts- und Industriemuseum, von dem das Technische Museum die Ausstellung übernommen hat.

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Höhenangst am Boden

Gleich gegenüber der Motion-Capture-Station kann der Besucher die Green-Screen-Technologie ausprobieren. Auf grünem Untergrund und vor einer grünen Wand liegen die Holzplanken einer Brücke, als Geländer ist ein einfaches Seil gespannt. Blickt der Besucher jedoch auf den Monitor, entdeckt er sich in schwindelerregender Höhe und wenn er nicht aufpasst, kollidiert er gleich mit einem Flugsaurier. Hier bekommt man hautnah zu spüren, was der Schauspieler leisten muss, um sich aus diesem steril-abstrakten Raum in die Urzeit zu imaginieren. In einem Begleitvideo erfährt der Besucher aber auch die fürs Funktionieren der Szene wichtigen technischen Details.

Künstler auf dem Mars

Die Ausstellung "Special Effects" erzählt aber auch von der spannenden Wechselbeziehung zwischen den seriösen Wissenschaften auf der einen und den Künsten und der Unterhaltungsindustrie auf der anderen Seite. Als die NASA in den 70er-Jahren erstmals über künstliche Lebensräume auf dem Mars nachdachte, lud sie zuerst Künstler ein, diese zu entwerfen und ließ dann ihre Wissenschaftler diese Fantasiekonstrukte weiterentwickeln.

Mit Hightech in den Weltuntergang

Andersherum bedient sich der Film auch gerne wissenschaftlicher Technologien. Da wurde etwa ein Verfahren entwickelt, um das Verhalten von Flüssigkeiten oder Gasen zu simulieren, das der Katastrophenfilm gerne verwendet, wenn er Wirbelstürme oder Flutwellen über die Erde hereinbrechen lässt. So etwas kostet natürlich und so sind die ganz großen Weltuntergänge noch immer Hollywood vorbehalten, denn dort, erzählt Sophie Lecuyer, würden bis zu 50 Prozent des Gesamtbudgets eines Films in die Digitaleffekte wandern, während es beim französischen Film nur drei bis fünf Prozent seien.

Hollywood in Penzing

Zumindest ein wenig Hollywood bringt die Ausstellung "Special Effects" nach Wien, denn für Gruppen besteht auch die Möglichkeit, Workshops in einem eigens errichteten kleinen Filmstudio zu buchen. Die Ausstellung soll aber auch sensibilisieren, wie manipulierbar Bilder heutzutage sind.

Das Bild lügt, sagt Kuratorin Marie Lecuyer. Und wie gut es das Lügen kann, und welche Technologien das Kino mittlerweile einsetzt, bekommt man in der Ausstellung "Special Effects" nicht nur erklärt, sondern auch zu spüren.

Service

"Special Effects - Die interaktive Ausstellung für Filmfans" im Technischen Museum Wien ist bis 5. Juli 2020 zu sehen.

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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