Synesthetic 4

ASTRID KNIE

Synesthetic 4 präsentieren Debütalbum

Zwischen Jazz, avantgardistischen Clubsounds und Hip-Hop pendelt die Musik von Synesthetic 4 - am Mittwoch (20.11.) präsentiert die Gruppe rund um den Komponisten und Klarinettisten Vincent Pongracz ihr Debütalbum "Pickedem" im Wiener Konzerthaus.

Kulturjournal | 19 11 2019

Sebastian Fleischer

Gäbe es die Jazzwerkstatt Wien nicht, wäre die österreichische Jazzszene heute nicht nur wesentlich älter, sondern auch um eine Reihe aufregender Projekte ärmer: Seit fünfzehn Jahren bringt das Musikerinnen- und Musikerkollektiv neue Impulse in die österreichische Jazzszene.

Aus dem Jazzwerkstatt-Umfeld ist auch die Gruppe Synesthetic Octet rund um den Klarinettisten und Komponisten Vincent Pongracz und den Gitarristen Peter Rom entstanden. Nach zwei vielbeachteten Alben und zahlreichen Auftritten hat sich das Ensemble mittlerweile von acht auf vier Musiker reduziert, oder besser: fokussiert.

Dada-Rap

Ziemlich manisch klingt die Musik von Synesthetic 4 gleich in der Eröffnungsnummer "Pickedem". Klarinette und Gitarre geben da nicht nur den Ton, sondern auch den Rhythmus an. Nach einigen Takten mutiert das Stück zur Rapnummer in einer Fantasiesprache.

"Es ist, wie wenn ein Kind versuchen würde, Rap zu imitieren", Vincent Pongracz

Die Bilder, die sich da im Kopf formen mögen, liefern Synesthetic 4 in diesem Fall gleich mit: im splatterfilmartigen Musikvideo zum Stück treiben zwei Gangster ihr Unwesen. Musik vermittelt sich mitunter nicht nur durch Klang, sondern erzählt auch eine Geschichte, lässt Farben oder gar Gerüche auftauchen: Synästhesie nennt man diese Fähigkeit, Dinge mit mehreren Sinnen wahrzunehmen, nach der sich das Synesthetic Octet einst benannt hat. Dass sich die Besetzung mittlerweile halbiert hat und als Synesthetic 4 auftritt, hat für Vincent Pongracz künstlerische und zugleich pragmatische Gründe.

"In einem Quartett haben alle Musiker viel mehr Platz", so Pongracz. "Am Anfang haben wir in den Konzerten versucht, Stücke aus dem Oktett zu übernehmen, haben aber bald gemerkt, dass das nicht funktioniert. Da haben wir beschlossen, einen Neustart zu wagen - eine neue Band mit neuer Musik."

Spaß und Präzision

Ausgangspunkt dieser neuen Musik ist in den meisten Stücken ein ausgefeiltes rhythmisches Muster; oft beginnen Pongracz' Kompositionen minimalistisch und halten dann - wie in einer guten Geschichte - immer wieder überraschende Wendungen bereit. Große Ernsthaftigkeit und zugleich Experimentierfreude, Spaß und Präzision ziehen sich durch das Album "Pickedem", das nicht zufällig im eigenen Label der Jazzwerkstatt Wien erschienen ist.

"Die Musiker haben sich dort kennengelernt, und auch in der Jazzwerkstatt war es immer ein Thema, dass Genregrenzen nicht so eng genommen werden", sagt Gitarrist Peter Rom.

Vom Szenelokal ins Konzerthaus

Zwischen Jazz, Hip-Hop und avantgardistischer Clubmusik bewegen sich Synesthetic 4, komplettiert von Manuel Mayr am Bass und Andreas Lettner am Schlagzeug. Und so spricht die Band auch ganz unterschiedliche Szenen an: Während das Debütalbum im Konzerthaus präsentiert wird, residierte die Band im vergangenen Jahr regelmäßig im Wiener Szenelokal Rhiz - einmal pro Monat spielte sie dort Live-Gigs und umrahmte die Abende, auf synästhetische Weise, mit visueller Kunst. Dem künstlerischen Prozess halfen die fixen Live-Auftritte natürlich enorm.

"Wir haben durch die vielen Konzerte viel ausprobieren können, und dadurch hat jede Nummer ihren eigenen Charakter entwickelt. Da entstehen dann im besten Fall verschiedene Texturen, die man nicht schon von allen anderen Bands kennt", sagt Peter Rom, und Vincent Pongracz ergänzt: "Es wäre ein anderes Album geworden, wenn wir es ein Jahr vorher aufgenommen hätten. Da hat sich musikalisch viel ergeben."

Was sich in naher Zukunft alles ergeben wird, darauf darf man zu Recht gespannt sein: Denn auch mit dem Synesthetic Octet, verrät Pongracz, soll es im nächsten Jahr weitergehen. Bis es soweit ist, werden Synesthetic 4 Gastspiele in Deutschland, Dänemark und Norwegen geben und zeigen, dass die Wiener Szene nicht nur im Bereich der Popmusik Spannendes zu bieten hat.

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