Gerti Drassl

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Ö1 Hörspiel ausgezeichnet

Das Hörspiel "GEH DICHT DICHTIG!", ein fiktiver Dialog zwischen der Dichterin Elfriede Gerstl und der Autorin Ruth Johanna Benrath, wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als "Hörspiel des Jahres 2019" gekürt. Die Preisverleihung an die ORF-/BR-Produktion aus dem Jahr 2019 erfolgt am 22. Februar 2020 im Literaturhaus Frankfurt.

In "GEH DICHT DICHTIG! " tritt die in Berlin lebende Prosa-, Lyrik-, Theater- und Hörspielautorin Ruth Johanna Benrath in einen fiktiven Dialog mit der von ihr verehrten Wiener Dichterin Elfriede Gerstl. Gerstl verfasste Gedichte, Essays, kurze Prosastücke und "Denkkrümel", wie sie selbst einige ihrer Texte nannte. Sie zählt zu den Größen der österreichischen Literatur nach 1945. Sie stammte aus einer jüdischen Zahnarztfamilie und überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Verstecken in Wien.

Dörte Lyssewski

Dörte Lyssewski bei den Aufnahmen im ORF Funkhaus

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

"... eine perfekte Melange gestalterischer Parameter." Aus der Jurybegründung

1980 betrachtete Elfriede Gerstl in ihrem Essay "Aus der Not ein Hörspiel machen, zur Not ein Hörspiel hören" die Chance des Hörspiels im Verursachen von "Denkanstößen".

Diesen Gedanken nimmt "GEH DICHT DICHTIG! Hörspieldialog mit Elfriede Gerstl" von Ruth Johanna Benrath auf, indem Benrath aus Anlass von Gerstls 10. Todestag auf deren "Denkkrümel" mit ihren eigenen Texten antwortet. Die akustische Umsetzung bildet den Verlauf dieses Dialogs nach. Aus literarischem Geplänkel erwächst ein Verfahren, in dem Gerstl (Gerti Drassl) und Benrath (Dörte Lyssewski), ihre unterschiedlichen Auffassungen vom literarischen Schreiben aneinander reiben, und schließlich in fantasievollen Sprachwitz überführen. Für die Komposition zeichnete Lauren Newton verantwortlich, für die Regie Christine Nagel.

Lauren Newton

Klangkünstlerin Lauren Newton

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

"Dieser imaginäre Dialog der Wiener Dichterin Elfriede Gerstl (Gerti Drassl) mit der Berliner Autorin Ruth Johanna Benrath (Dörte Lyssewski), der durch Lautimprovisationen der US-amerikanischen Klangkünstlerin Lauren Newton als gleichberechtigter zusätzlicher Stimme trialogisch konzipiert ist, zeigt eine perfekte Melange gestalterischer Parameter: Das Hörspiel präsentiert sich als Wort-, Klang- und Gedankenexperiment und wird durch den anarchischen Umgang mit Sprache und einer selten so gelungenen Rhythmisierung sprachlicher Musikalität zum Unikat, zu einer vor Intensität leuchtenden Hommage an die 2009 verstorbene Elfriede Gerstl.", begründete die Jury ihre Wahl.

Eine von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste eingesetzte Jury wählt Monat für Monat aus den ARD-Ursendungen die nach ihrer Meinung beste Produktion. Aus zwölf "Hörspielen des Monats" wählt die gleiche Jury dann das "Hörspiel des Jahres". Erstmals haben am Wettbewerb Einreichungen des ORF und des SRF teilgenommen, und gleich zum ersten Mal geht die Auszeichnung an eine ORF-/BR-Produktion.

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