Frank Spilker

BRIGITTA JAHN

Die Sterne mit neuer CD

Ende der 1980er Jahre haben deutsche Bands wie Blumfeld, Tocotronic oder Die Sterne eine neue Popmusik-Bewegung eingeleitet. Unter dem Label Hamburger Schule transportierten sie Gesellschaftskritik in tanzbaren Songs und machten die deutsche Sprache im Pop wieder salonfähig.

„Die Sterne“ haben damals Discosounds in den Diskursrock gebracht und mit „Was hat dich bloß so ruiniert“ einen bis heute vielzitierten Hit gelandet. Am Montag stehen sie in der Postgarage in Graz und am Dienstag in der "Grellen Forelle" in Wien auf der Bühne. Von der Stammbesetzung ist nur noch der Sänger Frank Spilker übrig, dafür gibt es ein neues Album.

Einsam, aber frei

„Der Palast ist leer“, einsam fegt der letzte Bewohner in weißer Perücke und Tüllhemd durch die Salons. Es ist der Sänger Frank Spilker selbst, der da im Video zur zweiten Nummer des neuen Albums den verlassenen Schlossherren gibt. Einsam, aber frei - so fühlte sich Spilker auch, als seine Bandkollegen Thomas Wenzel und Christoph Leich 2018 einen Schlussstrich zogen und nach 25 Jahren und zwölf Alben "Die Sterne" verließen.

„Es war eine Befreiung nach sechs, sieben Jahren kreativem Stillstand“, sagt Spilker im Ö1-Gespräch. „Wir konnten noch sehr gut zusammen live auftreten und die Vergangenheit verwalten. Aber es kamen keine neuen Songs mehr dabei heraus. Die entscheidende Ansage war natürlich, dass Thomas und Christoph mir gestattet haben, den Namen weiter zu verwenden und mit neuen Leuten weiterzumachen.“

Protest und Poesie

Gesagt, getan: "Die Sterne" lautet der schlichte Titel des neuen Albums. Die etwas freche Botschaft dahinter: Das Bandkonzept funktioniert auch ohne die jahrelange Stammbesetzung. Schließlich hat Spilker "Die Sterne" schon als Schüler in der nordrhein-westfälischen Provinz ins Leben gerufen und dazu das Independent-Label "Fast Weltweit" mitgegründet. Von Hamburg aus hat man dann mit Kollegen wie Jochen Distelmeyer von Blumfeld den deutschen Pop aufgemischt. "Die Sterne" kombinierten dabei schroffe Gitarrenriffs mit Disco-Klängen, Protest mit Poesie.

“Die Vermengung von sozialen und persönlichen Themen passierte unter massivem Einfluss der britischen Popmusik, in der das viel mehr passiert ist“, erinnert sich Spilker. Viel von diesem "Sterne"-Kosmos findet sich auch in den zwölf Liedern des neuen Albums wieder. Denn der kreative Stillstand der Band habe ihn nicht daran gehindert, neue Songs aufs Papier zu bringen.

“Diese Arbeiten sind im Zusammenhang mit dem ‚Sterne‘-Konzept entstanden und wurden jetzt mit anderen Leuten umgesetzt – im Vergleich würde ich sogar sagen, konsequenter umgesetzt, weil weniger die Personen eine Rolle spielen, sondern mehr das Konzept in den Vordergrund tritt“, so Spilker.

Disco-Star und klassisches Ensemble

Und so will Spilker auch nicht von einer neuen Band sprechen, sondern eher von Kooperationen - in der Kernbesetzung finden sich Musiker der Kölner Gruppe Von Spar, die langjährige Sterne-Keyboarderin Dyan Valdes sowie Schlagzeuger und Bassist Max Knoth. Mit ihnen steht der 53-Jährige nun auch bei den Live-Konzerten auf der Bühne. Am Album haben zudem das klassische Kaiser Quartett und Disco-Star Carsten „Erobique“ Meyer mitgewirkt.

Ob sich diese Kooperationen zu einer fixen Band manifestieren, komme freilich auf die Lebensumstände aller Beteiligten an, sagt Frank Spilker, aber: „Ich hoffe Ja, weil es sich unglaublich gut anfühlt und auch viel einfacher ist, in einer Besetzung zu arbeiten, die jetzt schon ein bisschen erprobt ist.“

Verglüht sind "Die Sterne" jedenfalls bis auf weiteres noch nicht.

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