Frau im Gang, "Hotel" von Jessica Hausner

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Österreichisches Kino im Netz

Wer gerne ins Kino geht und ein Faible für österreichische Filme, der hat es derzeit besonders schwer. Abhilfe für Kinofans bieten große Streaming-Plattformen wie Netflix oder Prime Video von Amazon mit ihrer Auswahl an überwiegend ausländischen Filmproduktionen nur bedingt. Doch auch in Zeiten des Coronavirus lassen sich österreichische Kinofilme von Zuhause aus streamen. Auch einige Filme der heurigen Diagonale sind nun online zu sehen.

Seit 2007 bietet das Portal Flimmit Filme zum Streamen im Internet an. Neben europäischen Filmproduktionen und ORF-Serien, -Dokumentationen und -TV-Filmen, finden sich auch österreichische Kinofilme auf der Plattform. Seit einigen Jahren ist der ORF an Flimmit beteiligt und demnächst alleiniger Eigentümer. "Leichte Auffindbarkeit, leichte Zugänglichkeit und das langfristig", so beschreibt Wolfgang Höfer, im ORF verantwortlich für die Flimmit-Programmierung, die Ausrichtung der Plattform.

Programmkinos und ihre Streamingseiten

Ein weiteres Angebot mit rund 500 österreichischen Kinofilmen bietet der Kino VOD Club. Die Video-on-Demand-Plattform wurde vor über zwei Jahren von den Kinobetreibern Clemens Kopetzky und Alexander Syllaba gegründet. Ihnen war es wichtig, dass auch Programmkinos von der Filmverwertung über Streaming-Plattformen profitieren. Wer beim Kino VOD Club einen Film streamt, kann entscheiden, über welches der 45 beteiligten österreichischen Kinos er oder sie das tun will. Rund ein Drittel der Filmleihgebühr gehen dann direkt an die gewählte Spielstätte.

Leihen, kaufen oder abonnieren

Einzelne Filme können bei Flimmit entweder für einen bestimmten Zeitraum geliehen oder gekauft werden. Für einen Fixpreis lässt sich außerdem ein Abo beziehen, mit unbegrenztem Zugriff auf alle verfügbaren Filme. Der Kino VOD Club bietet Filme nur zur Ausleihe an. "Das Ursprungskonzept ist, dass die Leute ein Ticket wie an der Kinokassa kaufen. Die Überlegung zu einem Abo ist schon lange da, aber dafür fehlen uns schlicht und ergreifend die Mittel", erklärt Alexander Syllaba vom Kino VOD Club.

Die Zukunft der Kinopremieren

Derzeit besteht in den meisten Fällen eine sechsmonatige Sperrfrist, bevor Filme nach ihrem Kinostart auf Plattformen verwertet werden dürfen. Kinopremieren in Zukunft ins Internet zu verlegen, ohne sie davor im Kino gezeigt zu haben, könnte sich Wolfgang Höfer von Flimmit durchaus vorstellen. Alexander Syllaba vom Kino VOD Club ist diesbezüglich skeptisch. "Das macht keinen Sinn, weil wir hier nicht einmal annähernd die Besucherinnen und Besucher sowie die Umsätze erreichen, die wir im Kino erreichen", so Alexander Syllaba.

Diagonale im Netz

Auch die heurige Diagonale kann durch das Coronavirus nicht wie geplant stattfinden. Das Festival des österreichischen Films hätte von 24. bis 29. März 2020 in Graz über die Bühne gehen sollen. Jedoch werden nun zahlreiche Filme aus dem geplanten Programm unter dem Titel "Diagonale’20 - Die Unvollendete" ins Netz wandern. Flimmit bietet ab heute ein eigenes Festivalpaket an. Der Kino VOD Club nimmt die Diagonale-Filme "Nobadi" von Karl Markovics und "Die Dohnal Frauenministerin/Feministin/Visionärin" von Sabine Derflinger vorzeitig in sein Programm.

Text: Jakob Fessler

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Diagonale - Diagonale’20. Die Unvollendete
FM4 - Die Diagonale 2020 zeigt Filme auf FM4

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