Fassade der Celsusbibliothek in Ephesos

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125 Jahre Grabungen in Ephesos

Am 20. Mai 1895, also vor 125 Jahren, setzte der österreichische Archäologe Otto Benndorf den Spaten in den Ruinen einer der bedeutendsten Städte des Altertums an.

Wetter klar und gut, windstill. 87 Arbeiter treten an.

Das notierte Otto Benndorf am 20. Mai 1895 in seinem Grabungstagebuch, als er erstmals den Spaten ansetzte und die österreichische Grabung in Ephesos startete. Seit genau 125 Jahren erforschen österreichische Archäologen Ephesos. Corona-bedingt muss auf Feierlichkeiten ebenso verzichtet werden, wie vorerst noch auf weitere Grabungen.

Heimat eines Weltwunders

Ephesos war eine der bedeutendsten Städte des Altertums, die mit dem Heiligtum der Artemis eines der Sieben Weltwunder der Antike besaß. Spuren früherer Siedlungen im Gebiet von Ephesos gehen bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurück. Ihre erste Blüte erlebte die Stadt unter den Griechen, die Römer machten sie zur Metropole, und für die Christen war sie Ziel der ersten Wallfahrten. Dass der Ort in der Nähe des heutigen Selcuk (Türkei) im 20. Jahrhundert wie der Phönix aus der Asche wiedererstehen konnte und mittlerweile jährlich rund zwei Millionen Touristen anzieht, verdankt er zu einem guten Teil den Arbeiten der österreichischen Archäologen.

Sabine Ladstätter neben einer antiken Statue

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"Otto Benndorfs erster Spatenstich hat vor allem die österreichische Archäologie verändert. Er hat damit einen ganz maßgeblichen Beitrag geleistet, dass die österreichische Archäologie heute noch einen extrem hohen internationalen Stellenwert hat", sagte die aktuelle Grabungsleiterin Sabine Ladstätter, Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), gegenüber der APA.

Briten waren die Ersten

Schon ab Ende des 15. Jahrhunderts zog die pittoreske Ruinenlandschaft von Ephesos zahlreiche Reisende an. Wissenschaftliche Ausgrabungen begannen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als John Turtle Wood im Jahr 1863 im Auftrag des British Museum auf der Suche nach dem Artemision zahlreiche Sondagen anlegte, nach einigen Jahren aber die Arbeiten wieder einstellte. In dieser Zeit feierte Deutschland in Troja und die Briten in Ägypten große wissenschaftliche Entdeckungen. Daher war auch die Österreichisch-Ungarische Monarchie auf der Suche nach einer repräsentativen antiken Grabung.

Public Private Partnership

Der Ordinarius für Klassische Archäologie an der Universität Wien, Otto Benndorf, stellte 1893 dem Cultus-Ministerium ein Grabungsprojekt für Ephesos vor und veranschlagte für die Freilegung der Stadt etwa fünf Jahre. Mit der Genehmigung und einer Spende des Privatmanns Karl Mautner Ritter von Markhof in Höhe von 10.000 Gulden im Gepäck startete er 1895 die österreichischen archäologischen Grabungen.

Bedeutende Funde

Schon in den ersten Jahren gelangen den Archäologen sensationelle Funde, wie 1903 der Parther-Fries, das bedeutendste Relief römischer Zeit in Kleinasien, das zur Feier des römischen Sieges über die Parther (161-165 n. Chr.) errichtet worden war. Noch heute ist dieser Fries das Prunkstück des Ephesos-Museums in Wien. Seit 1906 verbleiben alle Funde in der Türkei. In den folgenden Jahren konnten weitere bedeutende Bauten freigelegt werden. Die ersten in dieser Reihe waren die frühchristliche Marien-und die Johanneskirche.

Antiker Tempel

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Der Hadrianstempel gilt als eines der schönsten Gebäude in Ephesos. Es wurde in den 1950er Jahre wieder aufgebauten. Es mehren sich allerdings Zweifel, dass es sich dabei wirklich um den offiziellen Kulttempel für Kaiser Hadrian gehandelt hat.

Erste Wiedererrichtungen in den 1950ern

Die "Auferstehung" von Ephesos als Ruinenstadt und Anziehungspunkt für Touristen begann in den 1950er Jahren mit der Freilegung der Kuretenstraße. Unter den Grabungsleitern Franz Miltner und Fritz Eichler unter der Patronanz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erfolgte die erste Wiedererrichtung: der Hadriantempel. Auch die berühmten Artemisstatuen erblickten damals zum zweiten Mal das Licht der Welt.

Die als "Hanghäuser" bekannt gewordenen römischen Luxus-Wohnbauten wurden in den 1960er Jahren ausgegraben. Mit Hilfe einer neuen, modernen Dachkonstruktion geschützt, konnten sie 2006 für Besucher wieder zugänglich gemacht werden. 1978 wurde nach zehnjähriger Arbeit die Wiedererrichtung der Celsusbibliothek abgeschlossen.

Welterbe seit 2015

Die UN-Kulturorganisation UNESCO hatte die Ausgrabungsstätte Ephesos 2015 in die Welterbeliste aufgenommen. Sie bezeichnete Ephesos als ein "herausragendes Beispiel für eine von Umweltfaktoren geprägte Siedlungslandschaft und außergewöhnliches Zeugnis der kulturellen Traditionen der hellenistischen, römischen, christlichen und türkischen Zeit".

Politische Verwerfungen

Heute sind alljährlich rund 250 Wissenschafter aus bis zu 20 Ländern an der Grabung und Aufarbeitung der Funde beteiligt. Im September 2016 mussten die österreichischen Archäologen ihre Arbeiten einstellen, nachdem es zur Verstimmung zwischen Österreich und der Türkei gekommen war. Hintergrund war die ultimative Forderung Österreichs, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen. Erst 2018 durfte die Grabungstätigkeit wieder aufgenommen werden.

Wegen der Corona-Pandemie wurde auch der für Mai geplante Start der Frühjahrs-Grabungskampagne auf Herbst verschoben, erklärte Ladstätter. Ebenso musste ein im Herbst zum 125-Jahr-Jubiläum geplantes internationales Kolloquium sowie Feierlichkeiten in der Türkei absagt werden. "Wir haben uns aber umorientiert und werden einfach nächstes Jahr '125plus' feiern".

Text: APA, Red.