Be Water by Hong Kongers

Be Water by Hong Kongers - LOK1126/ERIC SIU

Prix Ars Electronica 2020

Beim Prix Ars Electronica haben heuer Frauen in allen Kategorien bis auf eine reüssiert. Den Preis für Digital Communities erhielt die Demokratiebewegung der Hong Kongers. Die gebürtige Linzerin VALIE EXPORT wird als Visionary Pioneer of Feminist Media Art ausgezeichnet. Insgesamt gab es 3.209 Einreichungen aus 90 Ländern, aus denen 20 Juroren heuer in Online-Sitzungen die Sieger kürten.

Die Online-Jurys seien "ausgezeichnet gelungen, obwohl mehr Arbeit damit verbunden war", sprach Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker in einer Pressekonferenz am Montag in Linz die Zeitunterschiede von Los Angeles bis Seoul und damit verbundene Sitzungen um 6 Uhr früh bzw. 2 Uhr in der Nacht an. "Beim Festival wollen wir so viele Projekte wie möglich nach Linz holen", versprach Stocker.

Würdigung der Demokratiebewegung Hong Kongs

Die biennal vergebene Goldene Nica in Digital Communities erhält "Be Water by Hong Kongers", das Eric Siu und Joel Kwong der dortigen Demokratiebewegung widmeten. Das treffe sehr gut den Kern dieser Kategorie, sagte Prix-Leiterin Emiko Ogawa. Erstmals wird damit eine anonyme Gruppe ausgezeichnet. Sie formierte sich im Protest gegen ein von Peking beabsichtigtes Gesetz, das es unter bestimmten Umständen erlauben sollte, Bürger von Hongkong - ehemals britische Kolonie mit Sonderstatus - an China auszuliefern. Dagegen wehrten sich die Hongkonger erfolgreich, der Gesetzesentwurf wurde im Herbst 2019 zurückgezogen. Digitale Technologien spielten eine Schlüsselrolle dabei. "Auch Partnerschaften mit chinesischen Städten dürfen uns nicht abhalten, klare gesellschaftspolitische und demokratiepolitische Aussagen zu machen", stellte sich Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) hinter diese Entscheidung, auch wenn es "nicht nur Freude geben" werde.

Being Alexa

In der ebenfalls alle zwei Jahre ausgezeichneten Interactive Art+ siegte die US-Amerikanerin Lauren Lee McCarthy mit ihrer Installation "Someone". Darin können Besucher die Rolle eines Avatars einnehmen und in Wohnungen von freiwillig am Projekt teilnehmenden Personen quasi wie eine menschliche Version von Amazons Alexa agieren. McCarthy wirft Fragen nach Privatsphäre, Identität, Kontrolle von Künstlicher Intelligenz auf. Sie beschäftige sich schon lange mit der Rolle des Menschen in diesem Umfeld und habe einen künstlerisch virtuosen Umgang damit generiert, so Festivalleiter Martin Honzik bei der Vorstellung.

Beste Animation

Die Goldenen Nica in der Kategorie Computer Animation geht an Miwa Matreyek für "infinitely Yours". Die amerikanische Künstlerin kombiniert etliche Formate in eine neue Inszenierung. Sie bewegt sich als Schattenbild durch stets dystopische Landschaften und prangert damit sehr eindrücklich und in durchaus unguten Bildern die Zerstörung der Umwelt um des Konsums willen an.

Valie Export

Valie Export

VIOLETTA WAKOLBINGER

Geburtstagsgeschenk für VALIE EXPORT

VALIE EXPORT wird als Visionary Pioneer of - heuer ausdrücklich - Feminist Media Art ausgezeichnet, damit erhält die gebürtige Linzerin den Preis für eine konsequente feministisch-politische Haltung und deren kongeniale (medien-)künstlerische Entsprechung. Ihr heuriger 80. Geburtstag sei "eine Koinzidenz, relevanter ist die inhaltliche Dimension", strich Stocker heraus.

Digitaler Nachwuchs

Lisa Rass, Franziska Gallé, Jona Lingitz und Anna Fachbach von der Grazer Ortweinschule holten sich mit "Samen" den Hauptpreis des mittlerweile etliche Kategorien umfassenden U19-Bewerbs in der Sparte "Young Professionals". Der Stop-Motion-Experimental-Film behandelt die Pubertät und verzichtet völlig auf Sprache, stellte Marion Friedl das Projekt vor.

Der U12-Hauptpreis ging an "Lury" von Laurin, Amelie und Niklas Steinhuber, der U14-Hauptpreis an "The Truth Part 2" der Schüler*innen der NMS Lehen, Fach Kreative Mediengestaltung. Den MIC-Spezialpreis für Projekte mit IT-Fokus, die sich mit der Welt von morgen auseinandersetzen, erhielten Schüler von der HTL Rennweg in Wien, die mit CareLine einen autonom fahrenden Servierwagen entwickelt haben.

Im Ars Electroncia Home delivery gibt es am 18. Juni um 18 Uhr einen Beitrag zum Prix, bei dem die Interactive-Art-Preisträgerin Lauren Lee McCarthy via Skype anwesend sein wird.)

Starts Prize 2020 an ökologische Projekte

Bereits am 8. Juni gab Festivalleiter Gerfried Stocker die Gewinner des von der Europäischen Kommission im Rahmen des Ars Electronica Festivals vergebenen Starts Prize bekannt. Die Auszeichnung geht heuer an zwei Projekte, die Nachhaltigkeit und Umwelt im Auge haben: Die Kanadierin Andrea Ling versucht mit "Design by Decay" beim Design gleich den restlichen Kreislauf eines Stoffes mitzudenken, und die Russin Olga Kisseleva nutzt mit "EDEN" innovative Technologien, um dem Artensterben in der Pflanzenwelt entgegenzuwirken.

Der Starts Prize sucht Projekte, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Kunst erfolgreich proben und das Potenzial haben, zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beizutragen. Er wird von der Ars Electronica, vom Brüsseler Museum BOZAR und der Amsterdamer Waag veranstaltet, heuer wurden 1.775 Projekte aus 89 Ländern eingereicht. Zehn erhielten eine Anerkennung, die beiden Preisträger je 20.000 Euro. Ihre Trophäen bekommen sie beim Ars Electronica Festival in Linz im September überreicht.

The One that Shatters in the Air / Changyeob (C.Y.) Ok (KR)

VOG. PHOTO

Redimensioniertes Festival im Herbst

An ein Ars Electronica Festival wie zuletzt mit 100.000 Besuchen ist heuer nicht zu denken, es wird aber sehr wohl von 9. bis 13. September in Linz mit Besuchern aus Fleisch und Blut stattfinden. Die neue Location am Gelände der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz bietet dazu ein weitläufiges Areal und großzügige Räume, zeigte sich Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker überzeugt.

Es werde ein physisches Festival im Rahmen der Möglichkeiten in den Kepler Gardens in Linz sein, aber auch ein globales mit vielen Veranstaltern weltweit, die miteinander vernetzt werden, etwa den teilnehmenden Unis. Allerdings gebe es auch weltweit viele Künstler und Veranstalter, die bankrott seien und nicht die Möglichkeit hätten sich zu beteiligen. "Kommunikation und Austausch auf internationaler Ebene sind gerade jetzt wichtig", betonte Stocker zuletzt. Details sollen noch im Juni folgen. Nur soviel: "Das eigentliche Thema muss diese Zeit sein." Das Coronavirus betreffe alle global, das habe es zuvor noch nie gegeben. Deshalb wird das Festival heuer aktuell wie nie. Es gebe für alles Eventualpläne je nach der Situation im Herbst.

Langjährige Co-Direktorin Christine Schöpf geht

Christine Schöpf zieht sich nach 40 Jahren - erst als berichterstattende Journalistin, dann als Gestalterin und schließlich als Co-Direktorin - aus der operativen Arbeit in der Ars Electronica zurück. "40 Jahre sind genug, das sollen die Jungen machen", sie habe sich das reiflich überlegt, meinte sie im APA-Gespräch. Das bisher gemeinsam geleitete Animation Festival übernimmt Jürgen Hagler, für den Prix Ars Electronica zeichnet Emiko Ogawa verantwortlich.

Schöpf war 1979 als junge Journalistin dabei, als die Klangwolke aus der Taufe gehoben wurde. 1980 schlug die studierte Germanistin und Romanistin ein Symposion Literatur und Technologie als Teil des Ars Electronica Festivals vor und erhielt den Auftrag dafür von Leopoldseder, damals ORF-OÖ-Intendant und Mit-Initiator der Klangwolke.

Hauptberuflich war Schöpf von 1981 bis 2007 Abteilungsleiterin Kultur und Wissenschaft mit dem Schwerpunkt auf die Ars Electronica beim ORF Oberösterreich

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