Gerhard Ernst und Marco Di Sapia

NEUE OPER WIEN

Film der Neuen Oper Wien

Eine der wichtigsten freien Operngruppen des Landes gibt mit einem Filmprojekt "Modern hab‘ ich so gern" ein kleines Lebenszeichen von sich.

Die Neue Oper Wien musste Anfang März als erstes Wiener Theater eine Produktion coronabedingt absagen - eine Uraufführung im damals schon geschlossenen Stadttheater Bozen. Auch eine dieser Tage angesetzte österreichische Erstaufführung, Wolfgang Rihms Oper "Proserpina", kann erst nächstes Jahr stattfinden - wenn es die Pandemie zulässt. Wie so viele andere Kultureinrichtungen ist die Neue Oper Wien von großen Einnahmeausfällen, aber auch von fehlender Planungssicherheit betroffen. Doch jetzt macht sie mit einem kleinen Ausflug ins Film-Metier auf sich aufmerksam.

Neue Oper, Wiener Schmäh

"Modern hab' ich so gern" heißt der 30-minütige Film, der am Samstag über Puls 4 Roomservice gegen Bezahlung als Live-Stream zu sehen ist. Seine beiden Hauptakteure sind Gerhard Ernst und Marco Di Sapia, beide Mitglieder des Volksopern-Ensembles. Ernst, ein gestandener Operetten-Darsteller, lässt sich von Di Sapia in die Welt der Neuen Musik einführen - denn da kennt sich der gebürtige Genuese aus: Seit genau 20 Jahren steht er regelmäßig für die Neue Oper Wien auf der Bühne und singt Rollen des modernen Fachs von Dmitri Schostakowitsch bis Otto M. Zykan.

Schauplatz des heiteren Dialogs im Doppelconférence-Stil ist das Wiener Klaviergeschäft Stingl - ein magischer Ort: Durch zweimaliges Klatschen erscheinen da wie aus dem Nichts zentrale Figuren der Neuen Oper Wien, etwa Intendant Walter Kobéra, Studienleiterin Anna Sushon oder der Tenor Alexander Kaimbacher. Sie singen und spielen sich durch zeitgenössisches Repertoire. Gerhard Ernst gibt im Gegenzug ein Stück von Carl Milliöcker zum Besten - Neue Oper trifft auf Wiener Schmäh.

"Wir sterben nicht"

"Die Form dieses Filmes zwischen Fiktion und Dokumentation ermöglicht es vielleicht, mit Leuten in Kontakt zu kommen, die sonst in keine Vorstellung der Neuen Oper Wien gehen würden" - und womöglich genau das tun, wenn die Neue Oper wieder spielt, erklärt Marco Di Sapia, der das Filmprojekt konzipiert hat. Walter Kobéra, Intendant der Neuen Oper Wien, ergänzt: "Wir sind da, wir sterben nicht. Wir sind nicht derart vom Corona-Virus betroffen, dass es uns künftig nicht mehr geben wird."

Gestorben sind letztlich auch nicht die beiden Produktionen, die die Neue Oper Wien in diesem Frühjahr angesetzt hatte: Anfang März mussten in Bozen die Proben für das neue Stück "Toteis" von Manuela Kerer abgebrochen werden; ein frühes Opfer der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. Die Uraufführung wird im September im Wiener Theater Akzent nachgeholt. Die österreichische Erstaufführung von Wolfgang Rihms Oper "Proserpina" soll hingegen als Herbstproduktion 2021 gezeigt werden.

Kooperationspartner Jeunesse fällt aus

Kommenden Dezember erlebt Fabian Panisellos "Les Trois Mages", ein multimediales Musiktheater über die drei Weisen aus dem Morgenland, seine österreichische Erstaufführung - allerdings ohne die Jeunesse als Kooperationspartner. Der Konzertveranstalter muss sein Angebot wie berichtet drastisch zurückfahren.

"Das ist nur ein Beispiel für die Probleme, die wir haben", sagt Walter Kobéra. "Die Subventionen der Stadt Wien und des Bundes sind gleichgeblieben und werden auch eingehalten. Aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit: Da wir unser Budget zu einem großen Teil auch aus Einnahmen und Kooperationen decken, bedeutet der Wegfall des Kooperationspartners Jeunesse ein großes Problem für uns."

Für die Einnahmeausfälle oder alle mit Corona verbundenen Mehrkosten gab es für die Neue Oper Wien bisher keine Ausgleichszahlungen. Aber wie heißt es im neuen Film - frei nach Otto M. Zykan - zweckoptimistisch? "Hauptsach‘ ist doch, dass was g'schieht."

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