Filmszene, Mann ist an einem Lügendetektor angeschlossen

WARNER BROS.

Eastwood-Film: "Der Fall Richard Jewell"

1996 wurden die Olympischen Spiele im US-amerikanischen Atlanta von einem folgenschweren Bombenattentat überschattet. Relativ schnell wurde Richard Jewell, der Angestellte einer Sicherheitsfirma, als Täter öffentlich an den Pranger gestellt. Zu Unrecht, wie nicht nur die Ergreifung des wahren Täters sechs Jahre danach zeigt, sondern auch das Drama "Der Fall Richard Jewell" von Regisseur Clint Eastwood.

Saint or Savage? Ein Heiliger oder ein Wilder? Diese Schlagzeile ist wie ein Faustschlag für Richard Jewell. Denn eigentlich hat der Wachmann durch umsichtiges Handeln größere menschliche Verluste verhindert, als 1996 bei einem Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen von Atlanta zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt wurden.

Vom Helden zum Buhmann

Vorerst wird Richard Jewell als Held gefeiert, doch das FBI hat eine andere Ermittlungsstrategie: Richard wird zum Hauptverdächtigen und zum medial Gejagten. Regisseur Clint Eastwood hat dafür eine plausible Erklärung: "Das FBI hat einen schnellen Ermittlungserfolg gebraucht, um die Olympischen Spiele zu retten."

Charakteranalyse

Richard Jewell ist - so Eastwoods tiefergehende Charakteranalyse - eine simple und dennoch nicht leicht greifbare Persönlichkeit: ein schwer übergewichtiger Mann, für den Gesetz und Ordnung an erster Stelle stehen, gewissenhaft und pflichtbewusst, mit einem ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex ausgestattet, ein Waffennarr, der mit 33 noch bei seiner Mutter wohnt und zugleich von ausgesuchter Höflichkeit.

Erzählerisch ohne Umwege nimmt Eastwood auch die Medien - damals noch vor allem Zeitungen und Fernsehen - ins Visier, denn durch eine Indiskretion gerät das Leben von Richard Jewell aus den Fugen, wird aus Mutterstolz pure Verzweiflung. Richard Jewell wurde lange vor der Existenz Sozialer Medien zum Opfer dessen, was man heute einen Shitstorm nennt.

Posthum Gerechtigkeit verschaffen

Clint Eastwood will dem Mann, der 2007 im Alter von 44 Jahren verstorben ist, posthum Gerechtigkeit verschaffen, auch in dem er die Mechanismen des leichtfertigen Rufmords aufzeigt: die kurzfristige Sensation garantiert Einschaltquoten und Auflagen, die Wahrheit danach will kaum jemand mehr wissen, was bleibt ist der falsche Eindruck.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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