Constanze Friedel

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Constanze Friedel, Jazzvioline

Constanze Friedel ist die Gewinnerin des Ö1 Jazzstipendiums 2020. Friedel konnte die Jury durch einen kraftvollen, expressiven Violin-Ton, Sinn für Dramaturgie sowohl in ihren Improvisationen als auch in den Kompositionen sowie Offenheit gegenüber verschiedensten musikalischen Einflüssen und deren Verschmelzung zu einem vitalen, energiereichen Amalgam überzeugen.

Was ist Kunst?

Für mich ist Kunst Energie. Auch wenn es ein plastisches Gemälde ist, so strahlt es Energie aus bzw. es wirkt auf den Betrachter – so wie es auch die Musik beim Zuhören tut. Kunst berührt uns - macht etwas mit unserem Innersten, setzt Denk- und Verarbeitungsprozesse welcher Art auch immer in Gang. Für den Ausübenden ist die Kunst eine Möglichkeit, Gefühle, Absichten, Werte und allgemein seinem Innersten Ausdruck zu verleihen. Also finde ich, dass die Kunst für unser immaterielles Ich auf seelischer Ebene mit die wichtigste Nahrung und Fundament zur Weiterentwicklung ist… Wenn es die Kunst nicht gäbe, wären wir wie leere Hüllen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich komme aus einem Musikerhaushalt.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Von allem zusammen, denke ich. Vielleicht etwas weniger vom Müssen, aber ich finde, diese Dinge beeinflussen sich gegenseitig und führen zusammen dazu, dass sich der einzelne Künstler und in Folge dessen die ganze Kunst weiterentwickelt.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Der Ort ist mir egal. Wichtig ist mir nur, dass ich dort aufgeschlossene Menschen mit der Energie meiner Musik erreichen kann. Ich finde es immer so schön, wenn man ein Konzert hört und davon so sehr berührt ist, einen „wahhhh“- Moment hat und mal alles rund herum vergisst. Das ist ja wie ein Geschenk!

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Allgemein gesagt, mit Personen, bei denen es zwischenmenschlich halbwegs passt, die an der betreffenden Sache interessiert sind, etwas erarbeiten und voran bringen wollen. Mit wem genau, will ich und kann ich gar nicht sagen. Das ergibt sich zum richtigen Zeitpunkt. Aber ich würde musikalisch gerne noch mehr mit Leuten in Richtung modern/experimental/groove/Pop/Soul…schwer zu Beschreiben…Fusion, arbeiten. Auch sehr gerne in Verbindung mit Bläsern, die die Geige in anderem Kontext als bisher üblich einbinden. Oder auch verstärkt mit Tänzern und Choreografen aus der freien Szene.

Wieviel Markt verträgt die Kunst?

Das fällt mir schwer zu beantworten. Ich glaube, dass der Markt für die Kunst wichtig ist, um an Reichweite zu gewinnen. Das braucht es ja, damit Spots und Bühnen entstehen, auf denen die Kunst erblühen und ihre Vielfalt zeigen und weiterentwickeln kann.

Wie viel Kunst verträgt der Markt?

Andersherum ist die Kunst auch wichtig für den Markt, denn er will ja etwas vermarkten. Stellt sich nur die Frage, wie er etwas vermarktet. Das fällt dann ja auch wieder auf die Kunst zurück.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Für etwas zu essen für meine Katzen.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Beim Spielen.

Haben Sie einen Plan B?

Nicht so richtig… Ich wollte einmal Bionik studieren. Aber daraus ist nichts geworden, weil dann die Musik kam. Ich zeichne nebenher noch sehr gerne und will das für die Zukunft parallel zur Musik ausbauen. Vielleicht für Cover-Anfragen, Bilder pur verkaufen, oder Fotos für Künstler machen. Vielleicht wird es ein kleiner Nebenverdienst. Und auf jeden Fall unterrichten. Ich hoffe einfach, dass sich das alles zusammen schon irgendwie ausgeht.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Eigentlich gar nicht... also nicht, dass ich wüsste. Hoffe ich zumindest.

Wollen Sie die Welt verändern?

Das tut ja jeder ein wenig, indem er seine Gedanken und Schaffen in die Welt setzt.