Gelbes Bahnhofsgebäude mit der Afschrift "Pinkafeld"

ELKE GROEN / © Golden Girls Film

Pinkafeld-Porträt unter blauen Vorzeichen

"Der schönste Platz auf Erden" - so lautet der Text eines Heimatliedes. Für Elke Groen wurde die Zeile zum Titel und Motto eines Films über die Bevölkerung von Pinkafeld, Norbert Hofers Heimatstadt, die 2016 mit der Präsidentenwahl ins internationale Rampenlicht rückte. Ihre Doku war als Eröffnungsfilm der diesjährigen abgesagten Diagonale geplant und kommt nun mit Verspätung regulär in die Kinos.

Norbert Hofer nähert sich dem Wahllokal, Kameramänner, Fotografen und Reporter laufen und stolpern ihm, sehr zum Gaudium der Schaulustigen, hastig entgegen und stellen mehr oder weniger belanglose Fragen. Elke Groens Kamera ist auch dort, allerdings deutlich abseits des Geschehens.

Die Filmemacherin kam nicht, um Teil des Tumults zu werden, sondern um ihn zu hinterfragen, wie sie sagt: "Die Pinkafelder waren anfangs sehr skeptisch. Sie hatten genug von Kamerateams, die nur auf schnelle Sager aus waren und sie dann als Nazis hinstellten. Da habe ich ihnen erklärt, dass ich an einer echten Diskussion interessiert bin und wissen will, was sie denken, wie es ihnen geht, was ihre Ängste sind."

Politische Diskurse im Gänsestall

Groen erntete überraschend schnell uneingeschränkte Zustimmung. Sie besuchte Gaststuben, Maifeiern, Wahlkampfveranstaltungen oder FPÖ-Stammtische, traf ihre Gesprächspartner im Wirtshaus, im Gänsestall, auf dem Hochstand oder im Wohnzimmer, stellte die Kamera auf und hörte zu.

Frau steht im Stall, im Hintergrund Kühe

ELKE GROEN / © Golden Girls Film

Zum Beispiel der jungen, resoluten Landwirtin Corinna, die das politische Geschehen in Österreich aufmerksam und kritisch verfolgt, dem Discobetreiber Hansi, der als Roma zahlreiche Anfeindungen erlebte, oder dem Pensionisten Horst, der die syrische Familie in der Nachbarschaft schon oft skeptisch beäugt, aber noch nie persönlich getroffen hat.

Wovor man sich in Pinkafeld (nicht) fürchten muss

Was die Menschen wirklich beschäftigt, wird rasch erkennbar. Zum Unbehagen vor Zuwanderern kommt die Angst um die eigene Zukunft und Sicherheit - ein Thema, das vor allem von rechtspopulistischen Politikern gern geschürt wird. Provokation und Übertreibung dienen als probate Mittel, um Wählerstimmen zu gewinnen. Etwa wenn FPÖ-Politiker Vorhängeschlösser als Wahlzuckerl verteilen und Lokalpolitiker lieber auf Trennendes als Verbindendes hinweisen.

Frau im Kopftuch macht mit Tochter Schulaufgaben im Wohnzummer, Tulpen

ELKE GROEN / © Golden Girls Film

"Ist das wirklich ein Thema für Pinkafeld?", fragt Groen den Politiker, "das Burgenland ist das sicherste Bundesland Österreichs", fügt sie im Ö1-Interview kritisch an, "das war klar, dass das nur eine PR-Masche ist, um auf Stimmenfang zu gehen."

Unaufgeregt und unverblümt

So unaufgeregt wie Groens Interviewführung ist auch die Montage des Films. Die Kamera bleibt meist statisch, klare, nüchterne Schnitte trennen bzw. verbinden Interviewpassagen mit Momentaufnahmen von Veranstaltungen und Festen, den Arbeitsalltag mit Stammtischtratsch und Politikerreden.

Auf die sieben Monate dauernde Bundespräsidentenwahl 2016 folgten weitere Urnengänge auf regionaler und Bundesebene, die viel Stoff für Gespräche und Diskussionen lieferten und die kleine Stadt Pinkafeld für Elke Groen Wahl für Wahl zum Stimmungsbarometer des ganzen Landes machten. Sie kam immer wieder und führte angefangene Gespräche fort.

Lösung gibt es am Ende dieser knapp 90 Minuten keine. Aufschlussreich und erhellend sind sie dennoch. Und wenn die Filmemacherin am Ende gemeinsam mit der jungen Bäuerin eine schnatternde Schar Gänse auf die Weide bringt, ist das ein durchaus starkes Bild, das viel Interpretationsspielraum lässt.

Gänse laufen über in der Dämmerung über die Straße

ELKE GROEN / © Golden Girls Film

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