Anne Weber

APA/AFP/POOL/ARNE DEDERT

Anne Weber erhält Deutschen Buchpreis

Die deutsche Autorin Anne Weber (55) hat für ihren Roman "Annette, ein Heldinnenepos" den Deutschen Buchpreis 2020 gewonnen. Diese Entscheidung gab die Jury am Montag im Frankfurter Römer bekannt. Das Buch erzählt in Versform die Lebensgeschichte der 96-jährigen französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir - ein Leben, in dem sich das 20. Jahrhundert eindrucksvoll spiegelt.

Morgenjournal | 13 10 2020

Kristina Pfoser

Die Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung fand in einem Livestream ohne Publikum statt.

Atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt

"Die Kraft von Anne Webers Erzählung kann sich mit der Kraft ihrer Heldin messen: Es ist atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt und mit welcher Leichtigkeit Weber die Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir zu einem Roman über Mut, Widerstandskraft und den Kampf um Freiheit verdichtet", lautet die Begründung der Jury.

"Annette, ein Heldinnenepos" sei "eine Geschichte voller Härten, die Weber aber mit souveräner Dezenz und feiner Ironie erzählt. Dabei geht es um nichts weniger als die deutsch-französische Geschichte als eine der Grundlagen unseres heutigen Europas. Wir sind dankbar, dass Anne Weber Annette für uns entdeckt hat und von ihr erzählt."

Anne Weber

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"Dank dem wirklichen Menschen"

"Der Erfolg dieses Buches ist nicht allein meiner Erfindungs- und Gestaltungsgabe zu verdanken, sondern vor allem dem wirklichen Menschen, der Frau, deren Geschichte ich erzähle", sagte Anne Weber in ihrer Dankensrede.

Von ihrer Begegnung mit dieser Frau hatte die Autorin im Frühjahr, noch vor Erscheinen des Buches, im Ö1-Interview erzählt: "Sie war in der Resistance aktiv und hat während der Okkupation drei jüdischen Menschen das Leben gerettet. Nach dem Krieg wurde sie Ärztin, im Algerienkrieg engagierte sie sich auf der Unabhängigkeitsbewegung. Dann wurde sie festgenommen und zu zehn Jahren Haft verurteilt, und so weiter. Ich war völlig gebannt von dieser Person."

Sie kommt auf einem weißen Blatt zur Welt

"Sie ist sehr alt, und wie es das Erzählen will, ist sie zugleich noch ungeboren. Heute, da sie 95 ist, kommt sie auf diesem weißen Blatt zur Welt - in eine undurchdringliche Leere, in die sie lange runde Maulwurfblicke wirft, und die sich nach und nach mit Formen und mit Farben, mit Vater, Mutter, Wasser, Erde füllt." Rasch gerät man in den Sog dieser rhythmischen Erzählung, wenn Anne Weber dem Leben der Anne Beaumanoir chronologisch folgt und den Leser, die Leserin in die Abgründe einer ganzen Epoche führt. "Es geht um Fragen wie: Kann ich aus ihrem Leben einen Roman machen? Kann ich mich einfach ihrer Geschichte bedienen?", erklärt die Autorin.

Und fragend nähert sich Anne Weber dem Leben der Anne Beaumanoir auch an: Was treibt sie an? Ist dieses Ziel es wert, sich dafür aufzuopfern? Ihr Ziel sei es nicht gewesen, es dieser Frau nachzutun und in den politischen Militantismus überzugehen. Aber wenn es dann ein Echo gibt, dass man sich engagieren will, umso besser.

Seit vier Jahrzehnten lebt Weber in Paris

Anne Weber wurde 1964 in Offenbach geboren und lebt seit 1983 in Paris. Sie arbeitete zunächst als Übersetzerin, seit dem Ende der 90er-Jahre veröffentlicht sie eigene Texte, die sie sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache verfasst und dann in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Ihre Werke wurden u.a. mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis, dem Kranichsteiner Literaturpreis und dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede erinnerte Weber an die reale Anne Beaumanoir, die sie bei einer persönlichen Begegnung so beeindruckte, dass sie über sie schreiben wollte.

Kein Österreicher auf Shortlist

Die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro: Bov Bjerg ("Serpentinen"), Thomas Hettche ("Herzfaden"), Deniz Ohde ("Streulicht"), Christine Wunnicke ("Die Dame mit der bemalten Hand") und Dorothee Elmiger ("Aus der Zuckerfabrik"), deren Werk auch für den Schweizer und für den Bayrischen Buchpreis nominiert ist.

Auf die Shortlist hatten es keine österreichischen Autoren geschafft. Insgesamt hatten die sieben Jurymitglieder 206 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2019 und September 2020 erschienen sind.

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vergeben. Im vergangenen Jahr hatte Sasa Stanisic den Preis für seinen Roman "Herkunft" erhalten. In seiner Dankesrede griff der aus Bosnien stammende Autor den damals frisch gekürten Literaturnobelpreisträger Peter Handke für dessen Äußerungen über den Jugoslawienkrieg an. Zweimal ging bisher die Auszeichnung an österreichische Autoren: 2005 gewann Arno Geiger mit seinem Roman "Es geht uns gut", 2017 wurde Robert Menasse für "Die Hauptstadt" ausgezeichnet. Der Österreichische Buchpreis wird am 9. November vergeben.

Text: APA, Red.

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Anne Weber, "Annette, ein Heldinnenepos", Roman, Matthes & Seitz

Mittagsjournal | 12 10 2020 - Dorothee Elmigers Roman

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