ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG
Radiokolleg
ABC der Speisepflanzen
Ein bunter Korb voll Kulturgeschichte, Sortenvielfalt und gesunden Inhaltsstoffen. Schmackhaft gestaltet für den kulinarischen Wissenshunger. Diese Woche T wie Tomate, W wie Weinrebe und Z wie Zwiebel
7. Jänner 2021, 02:00
Wissenswertes über essbare Pflanzen, ihre Kulturgeschichte, den Anbau, die Sortenvielfalt, die Inhaltsstoffe und welchen Beitrag sie zur Ernährung und Gesundheit leisten. Ein bunter Mix regionaler Diversität - als Gegenpol zur Welt der Fertiggerichte.
T wie Tomate
Sie ist ein Nachtschattengewächs und stammt ursprünglich aus den Andenregionen Südamerikas: die Tomate. In der Osthälfte Österreichs heißt die meist rote Frucht "Paradeiser". Früher wurde sie auch als "Paradiesapfel" oder Goldapfel bezeichnet.
Botanisch gesehen ist Solanum lycopersicum eine einjährige Pflanze und eng mit Erdäpfeln, Melanzani, Tabak und weiteren Nutzpflanzen der Solanaceaen verwandt. Die Frucht der Tomate ist eine Beere, die Befruchtung erfolgt durch Wind und Insekten.
Die Tomate kam vermutlich nach der Entdeckung Amerikas nach Europa. Zuerst pflanzte man sie nur zur Zierde, da man sie für giftig hielt. Im 16. Jahrhundert begann man in Italien mit der Kultivierung des Gewächses. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Tomate zur Weltwirtschaftspflanze. Da dieses Gemüse frostempfindlich ist, findet die kommerzielle Produktion hauptsächlich in Glashäusern statt. Die Früchte werden roh gegessen oder zu Tomatenmark, -saft und -ketchup verarbeitet. Wichtigste Anbauländer sind heute China, Indien, USA, Türkei und Ägypten, in Europa sind es Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und die Niederlande.
In den vergangenen Jahren wird auch vermehrt das Augenmerk auf alte Sorten gelegt: Ochsenherz, "Langer Erwin" & Co bereichern hierzulande den Biolandbau und den Hausgarten, vereinzelt auch die Supermärkte. Züchtungen bringen mittlerweile nicht nur rote, grüne, gelbe und dunkle Varianten hervor, sondern auch gestreifte Exemplare.
W wie Weinrebe
Die Geschichte des Weinbaus ist eng mit der Entwicklung früherer Kulturen verbunden. So pflanzten bereits die Ägypter im 4. Jahrtausend vor Christus Rebstöcke an. Das Produkt der Rebe - der Wein - wurde als Getränk der Götter angesehen. In der griechischen Mythologie war der Wein dem Gott Dionysos gewidmet, sein römisches Pendant hieß Bacchus. Der römische Kaiser Probus gilt als derjenige, der den Weinbau nördlich der Alpen eingeführt haben soll. Er erlaubte - so heißt es zumindest in der Historia Augusta - allen Galliern, Spaniern und Briten, Reben zu besitzen, und Wein herzustellen.
Von den rund 60 bekannten Spezies dieser Gattung wird heute nahezu ausschließlich die edle Weinrebe für den Weinbau kultiviert. Die Weinrebe ist ein kletternder Strauch, der unbeschnitten die Wuchsform einer Liane entwickelt und 10-20 m hoch werden kann. Der Strauch besitzt einen tiefgreifenden, reich verästelten Wurzelstock und einen holzigen Stamm mit bis zu 1,5 Meter Umfang.
Z wie Zwiebel
Schale schmiegt sich an Schale. Je näher dem Inneren, desto saftiger und geruchsintensiver ist die Zwiebel. Sobald sie angeschnitten ist, bringt sie so manche Köchin zum Weinen. Die Küchenzwiebel, auch Speisezwiebel genannt, ist ein altes Gewächs, das bereits die Ägypter kannten und nutzten. Bis heute ist sie von universellem Nutzen: hinsichtlich ihrer Verbreitung und ihrer vielseitigen Verwendbarkeit. Vom Kochen, Dünsten, Anbraten und Einlegen bis zum Auflegen frischer Zwiebelringe bei Insektenstichen.
Und weil sie von fast allen Menschen weltweit genossen wird, ist ihre Bedeutung auf dem Weltmarkt groß. Andererseits haben frühere Zivilisationen dieses Gemüse so intensiv kultiviert, dass keine Wildform mehr zu finden ist. Dafür hat sie zahlreiche Verwandte wie zum Beispiel die Schalotte, die Etagenzwiebel, die Winterheckenzwiebel. Der süß, säuerlich und scharfe Geschmack geht auf eine Komposition unterschiedlichster Inhaltstoffe zurück. Das macht sie interessant als Nahrungs- wie auch als Heilmittel. Fast könnte man sagen: die Zwiebel ist ein Kulturbegleiter des Menschen.
