Peter und Volkmar Klien

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Klien und Klien

Neue Musik im Härtetest

Die Brüder Volkmar und Peter Klien stellen zeitgenössische Klänge auf den Prüfstand: Jeden Mittwoch ab dem 20. Jänner in "Des Cis" und "Zeit-Ton Magazin".

Peter und Volkmar Klien

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Die Klien-Brüder

Des Cis | 11:30 Uhr
Zeit-Ton | 23:03 Uhr

"Das ist ganz lustig zum Zuhören. Verkehrsunfall in einer Gänsefarm. Und ganz hinten fährt ein Dampfschiff weg und tutet. Diese Gänsefarm muss also am Meer liegen." Peter Klien nimmt sich - was zu erwarten war - kein Blatt vor den Mund, wenn er seine ersten Eindrücke von einem Werk Neuer Musik schildert.

Komponist Volkmar Klien lässt sich nicht provozieren, hebt ruhig eine Augenbraue und erklärt Instrumentation, Entstehungsgeschichte, Spieltechniken. Das ist das Konzept einer neuen Serie.

Hier werden die Fragen, die Sie sich schon immer heimlich gestellt haben, wenn Sie zeitgenössische Musik gehört haben, ausgesprochen und beantwortet. Klien fragt Klien - und am Schluss werden von den Brüdern für jede Komposition Härtegrade vergeben, im Punktesystem von eins bis zehn.

"Mein Vorbild für böse Fragen war schon immer Sokrates", Peter Klien

Den Kabarettisten und Satiriker Peter Klien kennt man als gefürchteten Fragensteller in der TV-Sendung "Willkommen Österreich", vor dem so mancher Politiker schon Reißaus genommen hat. Seit 2019 präsentiert er sein eigenes Late-Night-Format "Gute Nacht Österreich" in ORF 1. Peter Klien war aber auch zehn Jahre lang Universitätslektor am Institut für Philosophie in Wien. Sein Spezialgebiet: altgriechische Philosophie. "Mein großes Vorbild für die bösen Fragen war schon immer Sokrates. Der hat sich in seiner Heimatstadt Athen durch blöde Fragen so beliebt gemacht, dass sie ihn am Schluss umgebracht haben", erzählt Klien. "Ich möchte nicht sagen, dass das mein unmittelbares Ziel ist, aber doch eine Inspirationsquelle."

Zeit für ein neues Ö1 Projekt

Die beiden Kliens kommen aus einem musikalischen Wiener Haushalt. Jeder der drei Brüder (der dritte im Bunde ist der Choreograf Michael Klien) hatte die Aufgabe, ein Instrument zu lernen, "bei Volkmar ist es halt auf fruchtbarsten Boden gefallen", so Peter. Der Komponist Volkmar Klien zeigt in seinen Arbeiten Interesse an den vielschichtigen Verbindungen zwischen den verschiedenen Modi menschlicher Wahrnehmung. Seine Erfahrungen gibt er auch als Professor für Komposition und als Direktor des Instituts für Komposition, Dirigieren und Computermusik an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz weiter.

Ende 2020 hatte er unerwartet viel Zeit, sich für das von "Zeit-Ton"- Co-Producer Rainer Elstner konzipierte Projekt "Die Klien-Brüder - Neue Musik im Härtetest" vorzubereiten: Beim Festival Wien Modern mussten gleich zwei Großproduktionen mit Kliens Werken coronabedingt um ein Jahr verschoben werden.

Vom imaginierten Sockel stoßen, hilft

Sein Bruder wolle niemanden bekehren, sagt Peter Klien: "Ich komme mit großer Neugierde zu den Aufnahmen dieser Sendung, weil wir so etwas zu Hause noch nie gemacht haben. Volkmar hat nichts Missionarisches, und ich bin tatsächlich neugierig, Zusammenhänge besser zu verstehen. Ich reagiere sehr unmittelbar, nicht nur in meiner Kabarettarbeit, sondern auch, wenn ich mir unbekannte Musik anhöre. Es ist hochinteressant, mit jemandem zu reden, der mehr Wissen hat als ich. Ich freu’ mich sehr auf diese Sendung."

Auf Dozieren vom hohen Ross reagiert Volkmar Klien allergisch: "Ich bin im Zweifel, was Musikvermittlung angeht." Punktuelle Überforderung sei nichts Schlechtes. Und dann folgt ein Satz, den man auch von Peter Klien erwarten könnte: "Was immer wieder hilft, ist, die Sache von einem imaginierten Sockel zu stoßen. Wenn jemand sagt: Entspann dich, hör einfach zu." Welches Stück von Peter Klien den Titel "Staubsauger kaputt" verliehen bekommt, erfahren Sie in der ersten Ausgabe am 20. Jänner.

Gestaltung

  • Rainer Elstner