Archiv des technischen Museums.

APA/HELMUT FOHRINGER

Wie geht es mit dem Kulturleben weiter?

Dieser Tage wird eine neue Verordnung erwartet, die Aufschluss darüber gibt, ob Kulturinstitutionen am 18. oder am 25. wieder öffnen können. Ob sie ihre Besucher/innen freitesten müssen oder nicht. Ö1 hat Klaus Albrecht Schröder befragt, der seit 1. Jänner der Vorsitzende der Bundesmuseen-Konferenz ist, ob er schon weiß, welchen Kurs der Kulturtanker Österreich einschlagen wird.

Freitesten sei in seinen Gesprächen mit Staatsekretärin Andrea Mayer kein Thema gewesen, sagt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, der die Zukunft nicht allzu rosig sieht. Er stellt sich auf zwei bis drei weitere Lockdowns ein und meint, dass die Ankündigungen des Gesundheitsministers einem ordentlichen Museumsbetrieb nicht gerade zuträglich seien.

Museenöffnung ab 25. Jänner?

Klaus Albrecht Schröder geht davon aus, dass die Museen gleichzeitig mit dem Handel am 25. Jänner wieder öffnen können. Seine Hoffnung ist es, dass die Museen unter denselben Bedingungen wie der Handel öffnen dürfen.

Bezüglich der Eintrittstests erwartet er sich eine Gleichbehandlung mit dem Handel und sagt, dass es ja auch in der Gastronomie keine Testpflicht gäbe und auch keine Maskenpflicht. "Ich verstehe nicht, warum Museen so viel strenger behandelt werden sollen als die Gastronomie."

Planungssicherheit nahe Null

Der Vorsitzende der Bundesmuseen-Konferenz erklärt, dass sich die Museen bereits auf die weitgehende Unplanbarkeit ihres Betriebes eingestellt haben.

"Die meisten Museen in Österreich rechnen nicht mehr mit einem Ausstellungsprogramm, das von einer großen Reisetätigkeit von Kurieren oder weiten Transporten abhängig ist. Sie haben ein Alternativprogramm konzipiert, das sich aus den eigenen Sammlungen nährt. Das ist mal besser, mal schlechter; je nachdem wie umfangreich diese Sammlungen sind. Ich als Albertina-Direktor kann nicht klagen. Wir verfügen über eine hervorragende Sammlung, aus der wir ein ausgezeichnetes Programm für die nächsten neun Monate entwickelt haben."

Österreich noch Kulturnation?

Trotzdem geht Klaus Albrecht Schröder davon aus, dass die Kollateralschäden für die Kulturanbieter immens sein werden und in ihrem Ausmaß derzeit in keiner Weise absehbar sind. Vor allem befürchtet er, dass sich die Menschen den Besuch von Kultureinrichtungen ganz einfach abgewöhnen.

Erstmals gäbe es Studien aus der Schweiz und den USA, die belegen, dass etwa 20 Prozent der Menschen, die vor den Lockdowns Kulturveranstaltungen besucht haben, davon nach den Lockdowns Abstand nehmen werden. Außerdem sei "eine Überdosis an medialer Berichterstattung über die Coronakrise nicht geeignet, den Menschen die Angst zu nehmen", so Schröder. Langfristig würden sie "den kulturellen Veranstaltungen fernbleiben, die ihnen jahrzehntelang so wichtig waren."

Die Frage ist, ob Österreich nach den Lockdowns wieder zur Kulturnation werden kann. Die Bekanntgabe neuer Richtlinien für den Kulturbetrieb ist für die nächsten Tage zu erwarten.

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